//Langfristige Bindungen sind für viele „out“ – Auto-Abos daher für viele „in“

Langfristige Bindungen sind für viele „out“ – Auto-Abos daher für viele „in“

Der Zeitgeist ändert sich – langfristige Bindungen sind vielfach nicht mehr en vogue. So jedenfalls schätzt Finn Pressesprecher Adrian Limbach-Smiatek die aktuelle Lage ein. Wie sich dieser Trend auf das Thema Auto-Abos und den Anbieter Finn auswirkt, darüber sprach der Motorjournalist mit ihm.

Motorjournalist: Zunehmend neigen Menschen dazu, ein Auto weniger besitzen zu wollen, als es zu nutzen. Worin siehst Du hier die wesentlichen Gründe? Wird das Nutzen statt Besitzen gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten zunehmen?

Adrian Limbach-Smiatek: Langfristige Bindungen passen für viele Menschen heute nicht mehr zum Leben. Das gilt für den Wohnort genauso wie für das Auto. Der Grund ist meistens simpel: Lebenssituationen ändern sich heute einfach schneller als noch vor 20 Jahren, wie zum Beispiel durch einen neuen Job in einer anderen Stadt.

Ein Auto-Abo bildet das ab, ohne dass man sich Jahre im Voraus festlegen muss. Wer merkt, dass er ein größeres Auto braucht oder flexibel bleiben will, kann einfach in ein neues Modell wechseln.

Ein weiterer Effekt, den wir aktuell beobachten: Viele nutzen das Abo, um Elektromobilität zu testen. Sie können so ein E-Auto mehrere Monate in ihrem Alltag fahren und testen, statt sich gleich langfristig festzulegen. Wir nennen es gern die längste Probefahrt der Welt.

Vielen Menschen ist nicht klar, worin sich Leasing, Miete und Abo unterscheiden. Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen Nutzungs- und Finanzierungsmodellen?

Der wichtigste Unterschied liegt in Laufzeit und Leistungsumfang. Das klassische Leasing bindet einen meist über 36 bis 48 Monate, verlangt oft eine hohe Anzahlung und deckt in der Regel nur die Bereitstellung des Fahrzeugs. Zusätzliche Leistungen wie Versicherung, Wartung oder Reifenservice sind in der Regel nicht enthalten und müssen separat organisiert und bezahlt werden.

Die klassische Autovermietung wiederum ist auf einen kurzfristigen Bedarf von wenigen Tagen oder Wochen ausgelegt, etwa für einen Ausflug oder als vorübergehende Mobilitätslösung. Für die dauerhafte Nutzung im Alltag ist sie meist nicht wirtschaftlich sinnvoll, da die vergleichsweise hohen Tages- oder Wochenpreise über einen längeren Zeitraum zu deutlich höheren monatlichen Kosten führen.

Das Auto-Abo liegt dazwischen: Es startet bei uns schon ab sechs Monaten. In der monatlichen Abo-Rate sind unter anderem Versicherung, Steuern, Wartung oder TÜV inklusive. Nur ums Tanken oder Laden müssen sich Kundinnen und Kunden selbst kümmern. Bestellt wird online mit nur wenigen Klicks. Lange Wartezeiten gibt es nicht: Die Autos sind meist innerhalb weniger Wochen, teilweise sogar in wenigen Tagen verfügbar und werden bis vor die Haustür geliefert.

Finn hat erst im Juni 100 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und steigt damit zum Einhorn auf, also einem Unternehmen das mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird. Welche Aktivitäten wird Finn mit diesem neuen Kapital jetzt vorrangig befeuern?

Das Kapital treibt unsere nächste Wachstumsphase an. Wir wollen es nutzen, um gezielte Investitionen in die Abo-Flotte, die Technologieplattform und operative Infrastruktur zu tätigen. Langfristig ist das die Grundlage dafür, aus einer starken deutschen Position heraus zur führenden Plattform für flexible Mobilität in Europa zu werden.

Finn hat sich die langfristige Marktführerschaft in der Branche vorgenommen. Wie lauten die wichtigsten Stellhebel, um dies zu erreichen?

Unser Anspruch ist es, unseren Kundinnen und Kunden das beste Auto-Abo-Erlebnis am Markt zu bieten. Dafür setzen wir an mehreren Stellen an. Ein wichtiger Baustein ist ein möglichst breites und attraktives Marken- und Modellportfolio, damit für unterschiedliche Bedürfnisse und Budgets das passende Fahrzeug verfügbar ist. Heute haben wir mehr als 25 Marken im Portfolio und arbeiten eng mit Herstellern zusammen, um unser Angebot kontinuierlich um neue Marken und Modelle zu erweitern.

Gleichzeitig investieren wir konsequent in ein exzellentes Kundenerlebnis. Das Auto-Abo soll für unsere Kundinnen und Kunden so einfach und bequem wie möglich sein – von der Auswahl und Buchung über die Fahrzeugübergabe bis hin zum laufenden Abo.

Ein weiterer wichtiger Hebel ist unsere operative Exzellenz. Mit unserer wachsenden Flotte wollen wir die Prozesse und Infrastruktur weiter optimieren.

Wie lautet das mittelfristige Ziel, um bei der Kundschaft punkten zu können? Welche Rolle spielt dabei die Elektromobilität?

Erst kürzlich ist mit XPENG eine weitere Marke dazugekommen, die unser Angebot im Bereich E-Mobilität gezielt stärkt und zeigt, wie vielfältig unser Elektro-Portfolio inzwischen ist. Mittelfristig geht es uns aber weniger um eine fixe Markenzahl als darum, in jedem relevanten Segment eine überzeugende Auswahl zu haben. Heute sind knapp 40 Prozent unserer Flotte elektrifiziert und wir arbeiten weiter daran, elektrifizierte Mobilität für möglichst viele Menschen in Deutschland einfach, zugänglich und erlebbar zu machen.

Wie hat sich das Finn Angebot JobAuto entwickelt? Wie wird es von den Firmen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angenommen? Wird man darüber auch Diensträder über kurz oder lang buchen können?

Mit JobAuto können Unternehmen das Finn Auto-Abo ihren Mitarbeitenden per Gehaltsumwandlung anbieten. Das rechnet sich am Ende für beide Seiten. Arbeitgebende können einen attraktiven Benefit anbieten und im „War for Talent“ herausstechen. Die monatliche Abo-Rate wird somit direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Dadurch sinken Lohnsteuer und Sozialabgaben, so dass Mitarbeitende im Vergleich zu einem privat abgeschlossenen Abo netto deutlich weniger zahlen. Je nach Gehalt und Fahrzeug sparen sie somit bis zu 40 Prozent gegenüber der regulären Abo-Rate. Da im Übrigen auch der Arbeitgeber bei diesem Modell Sozialabgaben reduziert, ergibt sich für Unternehmen wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Win-win-Situation. Neben einer Vielzahl an mittelständischen Firmen profitieren mittlerweile auch Mitarbeitende von großen Konzernen wie Rossmann oder auch einer SAP-Tochterfirma von den Vorteilen unseres JobAuto.

Diensträder sind aktuell nicht Teil unseres Angebots und dafür gibt es auch keine konkreten Pläne. Wir arbeiten hier mit Benefit-Plattformen wie Probonio zusammen, die über Partner dann auch Diensträder anbieten. Wir fokussieren uns auf unser Kerngeschäft und das sind Auto-Abos.

Wie lauten die wichtigsten nächsten Steps für Finn? Wo liegen die größten Chancen und Herausforderungen?

Wir wollen vor allem in Deutschland weiter wachsen und gleichzeitig daran arbeiten, die führende Plattform für Mobilität in Europa aufzubauen. Die größte Chance sehen wir darin, dass Nutzen statt Besitzen für immer mehr Menschen zur naheliegenden Wahl wird. Gleichzeitig wollen wir den Umstieg auf Elektromobilität weiter vorantreiben. Gerade bei FINN | JobAuto ist das ein großer Hebel: Mit einem Elektroauto sparen Arbeitnehmende wie bereits erwähnt über die Gehaltsumwandlung bis zu 40 Prozent auf die reguläre Abo-Rate. Angesichts der hohen Kraftstoffpreise spüren wir hier aktuell eine starke Nachfrage. Auch bei Geschäftskunden unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Flotten flexibel und ohne langfristiges Risiko zu elektrifizieren.

Je schneller wir wachsen, desto wichtiger wird es, dass unsere Prozesse mitwachsen. Abstriche beim Kundenerlebnis wollen wir dabei nicht machen.

Autor: Motorjournalist, Foto: Finn