Bereits zum vierten Mal hatte die Automobilwoche Topmanagerinnen der Automobilbranche zum Dialog geladen. Rund 200 Frauen aus der Automobilindustrie, dem Mobilitätssektor sowie der Beratung waren zum Branchenevent gekommen. Der erneut von Automobilwoche Redakteurin Agnes Lehbrink moderierte Women’s Leadership Day unter dem Titel „Führung in Zeiten des Umbruchs“ zeigte erneut, wie wichtig Sisterhood, aber auch Mut in der Führung sind.
Für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Automobilindustrie reicht es nach Überzeugung von Sabine Scheunert, Geschäftsführerin Eurocentral Dassault Systèmes, nicht mehr, nur zu netzwerken. Wichtig sei vielmehr, dass sich Frauen zeigen, wenn Geschäfte erfolgen, am besten in Funktionen wie dem Vertrieb. „Es geht darum, Impact zu generieren“, so Scheunert zum Auftakt der Veranstaltung bei der Diskussion mit Maria Grazia Davino, Regional Director BYD, und Laura Kronen, Partner von Berylls by AlixPartners, im hochkarätig besetzten Panel zum Thema „Let‘s do business together“. Laut Kronen gibt es allerdings aus Sicht der Wissenschaft signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wenn es darum geht, Geschäfte abzuwickeln. So gingen Männer wesentlich gamblingorientierter vor und sähen Verhandlungen mehr als Spiel. Frauen dagegen tendierten dazu, mit ihrem Gegenüber klarkommen zu wollen, und nähmen Dinge oft persönlich. Wichtig sei indes, Geschäft und Beziehung klar zu trennen, so Kronen.
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Männer tendenziell rücksichtloser und oberflächlicher
Überhaupt haben Frauen laut Davino eher Fairness im Kopf, während Männer tendenziell rücksichtloser und oberflächlicher agierten. Frauen müssten zudem lernen, in ihrer Sprache klarer zu werden, die Dinge mehr auf den Punkt zu bringen und die Vorteile ihrer eigenen Verhandlungsposition gezielt zu präsentieren. Nach Überzeugung von Scheuner beginne alles bereits mit der Bildung der Kinder. Hier sei China sowie dessen frühkindliche Bildung und damit auch die Tatsache, dass mehr Frauen in Führungspositionen seien, vorbildlich aufgestellt. Das bedeute im Umkehrschluss, dass das Thema Bildung in Deutschland dringend angegangen und saniert werden müsse.
Der eigene Weg ist entscheidend
In der weiteren Diskussion wurde zudem deutlich, dass Frauen niemals Männer kopieren sollten, so Davino, sondern ihren eigenen Weg finden müssten. Das gelte im Übrigen auch für Europas Autobauer, die ihre eigene Geschwindigkeitsformel als Antwort auf Chinas Speed entwickeln müssten. Unisono waren sich die Managerinnen überdies einig, dass Frauen ohne Angst zu haben einfach machen, nicht vorher fragen und Ergebnisse erzielen sollten. Die Botschaft der Managerinnen auf den Punkt gebracht: sich einbringen, trauen und auf konkrete Geschäftsabschlüsse fokussieren.
Komfortzone verlassen und Verbündete suchen
Was passiert, wenn man sich traut, verdeutlichten auch die Ausführungen von Anika Stappenbeck, Vorständin Personal Volkswagen Group Components und Leiterin Personal Group Technology. So ist es für Stappenbeck entscheidend, dass Frauen mutig sind, ihre Komfortzone verlassen und sich Verbündete suchen. Gleichzeitig müssten aber auch die Unternehmen selbst Frauen stärker in Auswahlprozesse einbinden und ihre Talente sichtbar machen. Nicht zuletzt dank ihres hohen Gerechtigkeitssinns ist für Stappenbeck eine größere Chancengleichheit entscheidender denn je.
Kein Kochrezept für KI im Unternehmensalltag
Wichtige persönliche Insights anlässlich des WLD 2026 gaben zudem hochkarätige Führungspersönlichkeiten wie Isabel Hartung, Multi-Aufsichtsrätin Tech & AI, Familienunternehmen und Private Equity, Sylvia Neubauer, Vice President Kunde, Marke und Vertrieb bei BMW M, oder auch Maike Seeber, Werkleiterin Stellantis und Opel-Werk in Rüsselsheim. Die Rolle von KI im Unternehmen nahm Hartung unter die Lupe. Dabei stellte sie klar, dass es kein Kochbuch für den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Unternehmensalltag gebe. Umso entscheidender sei es, die KI zur Chefsache zu machen, dabei jedoch nicht zu viel Druck auszuüben, sondern vielmehr schrittweise das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Fachliches Urteilsvermögen und Kontextverständnis seien dabei wichtiger denn je. Insgesamt ist Hartung davon überzeugt, dass KI-Projekte nicht an der Technologie, sondern vor allem an der Psychologie scheitern. Neubauer beleuchtete das Thema „Emotion. Innovation. Transformation. Die Marken-DNA von BMW M“. Die Elektrifizierung von BMW M verstehe man dabei als konsequente Weiterentwicklung, so Neubauer. Über „Industrie im Wandel – Führung, Mut, Zukunft“ referierte Seeber und hob dabei klar heraus, dass die europäische Industrie trotz wachsenden Wettbewerbs und steigender Kosten auch künftig ein wichtiger Pfeiler für Wertschöpfung und Beschäftigung bleibe.
Abb. 3
„Machtgebiete – Was Mangerinnen erleben und wie sie gegenhalten“
In verschiedenen Masterclasses (MC) konnten die Teilnehmerinnen die Brennpunktthemen des diesjährigen WLD vertiefen. In der MC1 „From Networking to Impact“ mit Ramona Scheibe, Sandra Loos und Laura Westphalen, alle vom Beratungs-Joint-Venture rpc, ging es darum, wie Netzwerken gezielter in Geschäftschancen übergeführt werden kann. Die MC2 stand unter dem Titel „Machtcodes entschlüsselt: 10 Life-Hacks aus ‚Machtgebiete‘ für dein Daily Business“. Hier fokussierten Christina Sontheim-Leven und Bettina Weiguny zentrale Inhalte ihres Buchs „Machtgebiete – Was Mangerinnen erleben und wie sie gegenhalten“. Dafür hatten sie 50 Managerinnen zu ihren Erfahrungen in Führungspositionen interviewt. Anika Stappenbeck und Maren Kabowski-Ciecior, beide Volkswagen Group, diskutierten mit den Teilnehmern in der MC3 „Skill-Management – was wir morgen wirklich brauchen“. Die beiden Google Managerinnen Stefanie Schieber und Anne-Kathrin Müller widmeten sich in der MC4 der Thematik „Prompting like a Pro – by Google“, während sich Jessica Goetsch und Melanie Schub, beide Hogan Lovells, in der MC5 mit „EVs zwischen Regulatorik, Verbraucherwartungen und Lieferkettenherausforderungen“ beschäftigten. In der MC6 schließlich ging es um Wege in den Aufsichtsrat mit Silke Robeller, Vizepräsidentin von Frauen in die Aufsichtsräte e.V. (FidAR).
Abb. 4
Klarheit und Transparenz
Im Panel „Balance statt Gratwanderung: Wenn Führung an der Spitze den Unterschied macht“ erlebten die Teilnehmerinnen des 4. WLD eine weitere lebhafte wie leidenschaftliche und authentische Diskussion rund um die Erfahrungen der langjährigen Automobilmanagerinnen Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, Gaby Luise Wüst, SVP Volumensteuerung, strategische Preisplanung & Produkmarketing Volkswagen, und Sevilay Gökkaya, Business Transformation & Mobility Leader. Dabei waren sich die gestandenen Macherinnen der Branche schnell einig, dass man Macht lernen könne bzw. diese automatisch komme, wenn die Leidenschaft für die Sache da ist. Zudem sei Macht wichtig ist, um Entscheidungen treffen zu können. Übereinstimmend stellten die Managerinnen überdies fest, wie wichtig Mut zu Entscheidungen sowie die Verantwortung zur Übernahme von Entscheidungen sei. Aber auch Klarheit und Transparenz sowie die richtige Vision in der Führung seien essentiell, damit das Team wirklich verstehen könne, was sich ändere.
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Automobilwoche Leadership Award 2026 an Regine Sixt
Einen klaren Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Verleihung des Automobilwoche Leadership Award 2026 an Regine Sixt für ihre herausragenden unternehmerischen Leistungen und ihre Vorreiterrolle in der Branche. Die Senior Executive Vice President Marketing des Mobilitätsdienstleisters Sixt ist seit rund 50 Jahren im Unternehmen tätig. Automobilwoche Herausgeber und Chefredakteur Burkhard Riering würdigte Sixt für ihre visionäre Führung, unternehmerischen Mut und eine klare Wertebasis. „Regine Sixt sieht nicht nur Chancen, sondern erkennt auch Verantwortung. Und dann handelt sie“, fügte Laudatorin Patricia Riekel hinzu.
Abb. 6
Insgesamt ein erneut inhaltlich und journalistisch hochkarätig aufbereiteter Branchenevent von und für Automobilmanagerinnen, der seinesgleichen für diese Zielgruppe sucht. Bravo, Automobilwoche!
Autorin: Isabella Finsterwalder, Abbildungen: Hans Friedrich
Abb. 1 (Aufmacherbild): Ein einzigartiger Kongress: der 4. Women’s Leadership Day 2026 der Automobilwoche
Abb. 2: Hochkarätig besetztes Panel zum Thema „Let‘s do business together“ (v. l.): Automobilwoche Moderatorin Agnes Lehbrink, Sabine Scheunert, Geschäftsführerin Eurocentral Dassault Systèmes, Laura Kronen, Partner von Berylls by AlixPartner, und Maria Grazia Davino, Regional Director BYD.
Abb. 3: In verschiedenen Masterclasses (MC) konnten die Teilnehmerinnen die Brennpunktthemen des diesjährigen WLD vertiefen. In der MC2 unter dem Titel „Machtcodes entschlüsselt: 10 Life-Hacks aus ‚Machtgebiete‘ für dein Daily Business“ beispielsweise fokussierten Christina Sontheim-Leven und Bettina Weiguny zentrale Inhalte ihres Buchs „Machtgebiete – Was Mangerinnen erleben und wie sie gegenhalten“.
Abb. 4: Silke Robeller, Vizepräsidentin von Frauen in die Aufsichtsräte e.V. (FidAR): In ihrer MC6 ging es um Wege in den Aufsichtsrat.
Abb. 5: „Balance statt Gratwanderung: Wenn Führung an der Spitze den Unterschied macht“: In diesem Panel (v. l.) diskutierten unter Leitung von Agnes Lehbrink die langjährigen Automobilmanagerinnen Gaby Luise Wüst, SVP Volumensteuerung, strategische Preisplanung & Produkmarketing Volkswagen, Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, und Sevilay Gökkaya, Business Transformation & Mobility Leader.
Abb. 6: Einen klaren Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Verleihung des Automobilwoche Leadership Award 2026 an Regine Sixt: Automobilwoche Herausgeber und Chefredakteur Burkhard Riering überreichte ihr den Award für ihre herausragenden unternehmerischen Leistungen und ihre Vorreiterrolle in der Branche.










