//Zandvoort 2018 – Halbzeit in der DTM

Zandvoort 2018 – Halbzeit in der DTM

Rennstrecke an der Nordsee inmitten einer geschützten Dünenlandschaft. Einst fanden hier Formel 1-Rennen statt, die in die Rennsportgeschichte eingingen. Rückzug der Formel 1 aus Sicherheitsgründen. Umbau zugunsten des Umweltschutzes und heute mit der DTM wieder im Rampenlicht. Die Rede ist von Zandvoort, hier machte die DTM im Juli 2018 Halbzeit der laufenden Saison, Tribünen und Naturzuschauerplätze waren nahezu voll.

1961 erlebte ich in den Dünen von Zandvoort den Großen Preis der Niederlande. Die Strecke war damals 4,2 km lang, es gab eine Tribüne im Bereich Start und Ziel und ansonsten nur Sitz- und Stehplätze in den Dünen mit hervorragender Sicht auf die Rennstrecke, die durch die hügelige Dünenlandschaft führte.

Ich war dabei, als 1961 die Rennwagen entladen wurden und der spätere F1-Weltmeister Phil Hill seinen Ferrari Typ 196 (Sharknose) persönlich vom Ferrari-Transporter fuhr. Anstelle von Boxen wurde private Garagen in der Stadt benutzt und man fuhr über normale Straßen zur Rennstrecke. Freier Zugang zum Fahrerlager, das gab es damals noch.

Der Höhepunkt dann am Sonntag, mein Idol Wolfgang Graf Berghe v. Trips, ‚Renngraf‘ aus der Wasserburg Hemmersbach in Kerpen-Horrem, gewann als erster Deutscher ein F1-Rennen. Wow!

Die Rennstrecke geriet in Verruf, weil es 1970 und 1973 tödliche Unfälle gab: Der Engländer Piers Courage verbrannte in seinem De Tomaso… und die Streckenposten sahen tatenlos zu. Auch Niki Lauda fuhr vorbei, weil er wie er später aussagte, fürs Rennfahren bezahlt werde. Danach gab es nur noch kleinere lokale Rennen, Einsprüche der „naturschützenden“ Anwohner und letztendlich ein Umbau der Rennstrecke mit anderer Streckenführung, fast gleicher Länge und riesigen Sandwällen aus Lärmschutzgründen. Heute hört man die Rennwagen am naheliegenden Strand nur noch ‚leise‘. Und als großes internationales Ereignis kam die Deutsche Tourenwagenmasters (DTM) nach Zandvoort, das war für die historische Rennstrecke ein großer Prestigegewinn und auch bei den Fahrern kam Freude auf, weil die „neue“ Zandvoort-Rennstrecke als schwierig gilt. Leider gibt es wenige Überholmöglichkeiten, allenfalls am Ende der langen Start- und Zielgeraden vor der berühmten „Tarzankurve“.

DTM mit Problemen?
Die DTM wird von dem Veranstalter gerne als beste Tourenwagenserie der Welt bezeichnet. Das stimmt auch teilweise, weil das Fahrerfeld nahezu ebenbürtig ist – praktisch kann jeder Fahrer gewinnen. Aber, es sind nur drei Marken (Mercedes, AUDI und BMW) am Start und im nächsten Jahr steigt Mercedes auch noch aus. Mit Ausnahme vom Norisring, wo volles Haus garantiert ist, bleiben die Zuschauer aus. Zwar gibt es „Auswärtsspiele“, aber die Russen (Moskau) oder Italiener (Misano) oder Engländer (Brands Hatch) interessieren sich wenig für die DTM. Auch der Sender ARD hat seine Reportagen ab 2018 eingestellt.

Ein großes Problem wird es 2019 geben, wenn Mercedes aussteigt. Bleibt zu hoffen, dass es dem bekannten DTM-Geschäftsführer Gerhard Berger (ehemaliger F1-Fahrer) gelingt, für 2019/2020 eine neue Marke für die DTM zu bekommen.

In Zandvoort hätte es auch mehr Zuschauer geben können, die Parkplätze jedenfalls waren voll, so dass es für die DTM-Fans keine Parkmöglichkeiten gab. Bei dem heißen Sommerwetter waren die Menschen wohl lieber in dem kälteren Nordseewasser.

Paffett – Meister 2018?
Nach Zandvoort war Halbzeit. Bis dahin erwies sich Mercedes mit fünf Siegen als überlegen. BMW hatte dreimal gewonnen und AUDI noch keinen Sieg verbucht.

Auch in Zandvoort war die Überlegenheit von Mercedes deutlich. Der Brite Gary Paffett kam mit 99 Punkten nach Zandvoort und baute den mit zusätzlichen 49 Punkten noch aus: zweimal Pole (jeweils drei Punkte), Sieg am Samstag (25 Punkte) und Zweiter am Sonntag (18 Punkte). Nur am Sonntag gelang dem DTM-Meister von 2017 dank einer anderen Boxenstrategie ein Sieg: Rene Rast wechselte die Reifen schon in der ersten Runde und räumte das Feld von hinten auf. Nach dem Pflichtboxenstopp von Gary Paffett lag Rast auf einmal vorne und gab den Platz, trotz heftiger Angriffe und einer Safety-Car-Phase, nicht mehr ab. Wow, war das ein Rennen!

Die Safety-Car-Phase wurde direkt vor unseren Augen ausgelöst durch einen Schubser von Jamie Green an Bruno Spengler. Spengler landete im Kies und musste von den Marshals zurück auf die Strecke geschoben werden.

Beim Re-Start gingen Rast und Paffett nebeneinander durch die Tarzankurve. Rast war innen und beschleunigte schneller und lag somit vor Paffet.

Resümee
Spannende Rennen und ein überlegener Paffett. Er führt nun mit 47 Punkten Vorsprung. Die Spannung in der DTM 2018 ist wohl raus? Schade.

Klaus Ridder