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Dieselringträger 2021

Der Verband der Motorjournalisten (VdM) verleiht den Goldenen Dieselring an den Unfallanalytiker und Unfallforscher Jörg Ahlgrimm

Köln, 15. Oktober 2021: Der Verband der Motorjournalisten e.V. ehrt in diesem Jahr Dipl.-Ing. Jörg Ahlgrimm, den langjährigen Leiter der Dekra-Unfallforschung und -Unfallanalyse und Präsidenten der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse e.V., für seine Verdienste um die Verkehrssicherheit. Er erhielt den Goldenen Dieselring des VdM am 15. Oktober in einem Festakt in der Wolkenburg in Köln.

Jörg Ahlgrimm erhält den renommierten Verkehrssicherheitspreis des VdM für sein langjähriges Engagement in der Unfallforschung. „In seiner fast 40-jährigen Tätigkeit bei Dekra lag sein Aufgabenschwerpunkt auf der Entwicklung und Beschreibung von Methoden zur Unfallrekonstruktion und der Ausbildung von Unfallsachverständigen“, sagte Laudator Prof. Dipl.-Ing. Dietmar Otte, – Unfallforscher wie Jörg Ahlgrimm –, der den Goldenen VdM-Dieselring 2010 erhalten hatte. Die Daten und Erkenntnisse, die unter Ahlgrimms Leitung aus der detaillierten Unfallanalyse gewonnen werden konnten, bilden die Basis für die Unfallforschung. Für Jörg Ahlgrimm gehören Unfallanalytik und Unfallforschung daher immer eng zusammen.

Zudem verstand es Jörg Ahlgrimm in besonderer Weise, komplexe technische Sachverhalte leicht verständlich zu erklären und so die Unfallforschung und die Analyse den Unfallgeschehens in die Öffentlichkeit zu tragen und bei Entscheidern in Politik, Verbänden und Gesellschaft als wichtige Themen der Verkehrssicherheit zu verankern. So urteilte auch der VdM-Vorsitzende Werner Bicker: „Jörg Ahlgrimm ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Unfallforschung. Mit seinem analytischen Denken und immer klaren Statements ist er auch eine wichtige Quelle für uns Medienschaffenden.“

Mit dem Goldenen Dieselring, in den ein Splitter des ersten Versuchsmotors von Rudolf Diesel aus dem Jahr 1893 eingearbeitet ist, zeichnet der Verband der Motorjournalisten seit 1955 jährlich die Leistungen herausragender Persönlichkeiten aus, die sich um die Verkehrssicherheit oder die Verringerung von Unfallfolgen verdient gemacht haben. Jörg Ahlgrimm ist das 74. Mitglied im Kreis der Dieselringträger, in dem mit Ingenieuren, Medizinern, Betriebswirten, Juristen oder Verkehrswissenschaftlern Experten aus den unterschiedlichsten Fachdisziplinen vertreten sind.

Als der gebürtige Berliner Jörg Ahlgrimm 1969 sein Maschinenbaustudium, Fachrichtung Kraftfahrzeugtechnik, an der Technischen Universität Berlin aufnahm, starben fast 19.000 Menschen auf deutschen Straßen. Ein Jahr später markierte die Statistik mit über 21.000 Verkehrstoten einen traurigen Höhepunkt. „Wie können wir das Verkehrsgeschehen sicherer machen und wie können wir Lehren ziehen aus dem realen Unfallgeschehen?“, das waren für den damals 20-jährigen Studenten die zentralen Fragen, die ihn sein ganzes Berufsleben begleiten sollte. Im Hauptstudium spezialisierte er sich auf die Unfallanalyse und die Unfall-/Biomechanik. 1977 wies das Thema seiner Diplomarbeit weit in die Zukunft: „Entwurf, Berechnung und Konstruktion eines Windlauf-Airbags als Schutzsystem für Fußgänger“. Der unter der Motorhaube und an der A-Säule installierte Airbag sollte verhindern, dass Fußgänger bei einer Kollision mit dem Kopf auf das Fahrzeug aufprallen. Jahrzehnte später ist dieser Fußgängerschutz bei Volvo realisiert.

Nach dem Studium wechselte der frischgebackene Diplom-Ingenieur zur Sachverständigenorganisation Dekra nach Stuttgart. Hier baute er die neu gegründete Abteilung Unfallforschung mit auf und wurde 1980 Abteilungsleiter Unfallanalytik. Daneben arbeitete er als Co-Autor mit am „Handbuch der Verkehrsunfallrekonstruktion“, dem ersten Standardwerk zum Thema. In den folgenden fast 38 Jahren bei Dekra entwickelte er den Bereich Unfallanalytik und Unfallforschung bei Dekra ständig weiter. „Die Unfallanalytik rekonstruiert das Unfallgeschehen und fragt, was den Unfall ausgelöst hat, wie zu hohe Geschwindigkeit, ein technischer Mangel oder der Zustand der Straße“, erläutert Jörg Ahlgrimm. „Die Unfallforschung greift diese Erkenntnisse auf, erkennt Sicherheitsdefizite und zeigt Maßnahmen auf, um Unfälle zu verhindern oder deren Folgen zu minimieren.“

Mit unterschiedlichen Partnern aus der Industrie entwickelte er Verkehrssicherheitsprogramme, etwa für den Pkw-Fuhrpark, für Lkw-Fahrer allgemein und speziell für Tankwagenfahrer. Im Rahmen der internen Aus- und Fortbildung gab er sein umfassendes Wissen an zahllose angehende Kfz- und Unfall-Sachverständige weiter. Er war Lehrbeauftragter für Verkehrsunfallrekonstruktion an der Fachhochschule der Polizei in Schwenningen und gefragter Referent bei nationalen und internationalen Kongressen und Symposien. Daneben engagierte sich Jörg Ahlgrimm in verschiedenen Vorstandsausschüssen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und wurde im Dezember 2018 in den DVR-Vorstand gewählt. Seit 2008 ist er Mitglied im Präsidialrat der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse (EVU). Der Präsidialrat wählte ihn im Oktober 2017 zum Präsidenten der EVU.

Seine Leidenschaft fürs Auto begleitet Jörg Ahlgrimm auch in seiner Freizeit. Eine BMW Isetta war sein erstes Auto. Heute bietet er als 2. Vorsitzender im Isetta-Club Technikseminare für die Mitglieder und hat selbst ein BMW 700 Coupé in der Garage stehen, das auf die Restaurierung wartet. Im Topolino Club Deutschland ist Jörg Ahlgrimm seit März 2019 Präsident. An seinem eigenen Topolino hat er rund zehn Jahre gearbeitet, 2018 war er „zulassungsfähig“.

VdM/so