Nürnberg ist nicht nur die Stadt der Bratwürste, der Lebkuchen und des Christkindlesmarktes, sondern auch des einmal jährlich stattfindenden ‚DTM Zirkus‘ auf der lediglich 2,162 km langen Norisring Rennstrecke. Die zwei Rennen sind zweifellos die Höhepunkte der DTM Saison.
Wochenlang wird er von freiwilligen Helfern förmlich neu aufgebaut: Der Norisring. Dann entspricht die Rennstrecke allen internationalen Sicherheitsregeln. Erstmals im Jahr 1947 rasten hier Rennmotorräder rund um die Steintribüne. Die Rennen sollten die NS Vergangenheit des Geländes in den Hintergrund drängen und für die aufstrebende Nürnberger Motorradindustrie werben. Dank der Unterstützung der US-Besatzungsmacht war es möglich, vor 78 Jahren am Dutzendteich ein Motorradrennen auf die Beine zu stellen. Nahrungsmittel und Benzing waren knapp, Nürnberg zerstört. Die US-Truppen versorgten die Rennfahrer mit Benzin und die 60.000 Zuschauer mit Verpflegung. Bis in die 1950er Jahre waren es Motorräder, die auf dem Norisring den Ton angaben. Wolfgang Schlosser, langjähriger Vorsitzender des ausrichtenden Motorsport Clubs Nürnberg (MCN): „Weil die Strecke nur 2,1 km lang ist, bieten die Rennen auf dem Norisring stets harte Zweikämpfe auf engstem Raum. Diese besondere Stimmung spürt man einfach – egal ob auf der Stein-, Schöller- oder einer anderen Tribüne“. Die Rennstrecke – sie ist „künstlich“ und findet auf normalen Straßen statt – hat heute praktisch nur vier Kurven. Eine besondere Herausforderung für Fahrer und Technik stellt dabei die Grundig Kehre dar. Hier kommen die Rennwagen mit 270 km/h an und bremsen auf 50 km/h runter. So manch ein ‚Verbremser‘ ist hier oft rennentscheidend gewesen.
Ereignis der Superlative
Das jüngste Rennwochenende vom 4. bis 6. Juli 2025 am Dutzendteich war aufs Neue ein Ereignis der Superlative – und das in jeder Hinsicht. Gebraucht werden dabei: 7 km Leitplanken, 2 km Betonwände, 27,8 km FIA-Sicherheits-Zaun, 10.000 Arbeitsstunden für Aufbau und Abbau, 600 ehrenamtliche Helfer, 25 km Wasserleitungen, 870 km Stromkabel, 120 Toilettenkabinen, 150.000 Liter Bier, 10.000 Bratwürste. Gekommen waren in diesem Jahr 112.000 Besucher.
Abb. 1
DTM Fahrer aus 11 Nationen
Die DTM fand erstmals 2021 mit GT3-Rennfahrzeugen statt. Vorausgegangen waren 2020 der Rückzug von Audi aus der ansonsten anspruchsvollen Rennserie, so dass nur eine Marke übrig geblieben wäre, nämlich BMW. Der Ausweg aus der Misere war die Ausrichtung der DTM mit GT3-Boliden, das sind eigentlich Renner für Langstreckenrennen. Der Vorteil der Neuausrichtung war, das damals fünf Rennmarken teilnahmen. Inzwischen sind es neun: Mercedes AMG, BMW, Audi, Ferrari, Ford, McLaren, Lamborghini, Aston Martin und Porsche. Ein weiterer Vorteil der GT3-Renner: Sie sind preisgünstiger als die alten DTM Boliden und können auch in anderen Rennserien eingesetzt werden. Fahrer aus 11 Nationen sind dabei. In diesem Jahr ist mit Timo Glock auch ein ehemaliger F1-Fahrer am Start .Aber auch Langstreckenspezialisten wie Thomas Preining, Rene Rast, Lucas Auer, Marco Wittmann, Maro Engel, Luca Engstler u.a. sind mit von der Partie. Zu den „Alten Herren“ zählt Timo Glock mit 43 Jahren. Jüngster im Feld ist der Niederländer Morris Schurig (19), der beim Junior-Team Manthey aufgebaut wird.
Abb. 2
DTM Pressezentrum im Max-Morlock-Stadion
Ist keine permanente Rennstrecke mit „allem Zubehör“ vorhanden, heißt es: improvisieren. So wurde das Media-Center im nahegelegenen Max-Morlock-Stadion eingerichtet .Der Transfer nach und von der Rennstrecke erfolgte mit Golffahrzeugen. Sicher eine Umstellung für die Rennfahrer, die vorher mit 270 Km/h auf die Grundig-Kehre zugerast sind und dann mit 10 km/h zur Pressekonferenz gefahren wurden. Bei der Pressekonferenz war der Österreicher Thomas Preining sogar zwei Mal dabei: Beim Samstagrennen wurde er Zweiter, beim Sonntagrennen erkämpfte er sich förmlich den Sieg mit seinem Grello-Porsche vom Team Manthey. Übrigens, die Rennergebnis kamen wenige Minuten nach dem Rennende als E-Mail auf dem Handy an. Conny Hufstadt und ihr Team machten das möglich.
Abb. 3
Spannende Rennen
Entscheidend für Sieg und Niederlage ist auf dem Norisring ein guter Startplatz. Hinzu kommt, ob die Boxenstopps gelingen. Um die Spannung zu erhöhen, gab es beim Sonntagsrennen sogar zwei Boxenstopps – zum Leidwesen der Besucher, die dadurch nicht immer die Übersicht über das Renngeschehen behielten. Insgesamt gingen 24 GT3-Renner auf das 55 Minuten plus eine Runde dauernde Rennen. In beiden Rennen gab es vorne spannende Positionskämpfe. Beim ersten Rennen am Samstag gelang dem Südafrikaner Jordan Pepper allerdings ein Start-Ziel-Sieg. Beim Rennen am Sonntag erkämpfte sich Thomas Preining förmlich den Sieg. Mit dem Ergebnis vom Samstagrennen war er zudem der überragende Fahrer, sprich, zwei Mal auf dem Podest. Im Mittelfeld war es mal wieder Rene Rast, dem einige Überholmanöver gelangen. Gleichwohl gelang es ihm nicht an die Spitze. Beachtenswert die beiden Ergebnisse des Inders Arjun Maini. Er startete auf einem Ford Mustang am Sonntag vom dritten Startplatz und wurde Fünfter. Am Samstag wurde er Achter.
Abb. 4
Abb. 5
Crash: Leittragender Marco Wittmann
Kollisionen sind keine Seltenheit, wenn die 24 Starter nach dem Start und einer Strecke von etwa 1.000 m die Grundig Kehre anfahren. So gab es auch in diesem Jahr beim Rennen am Sonntag hinter der Spitzkehre einen Crash. Leittragender war Marco Wittmann, dessen BMW umgedreht wurde und in der Betonmauer landete. Fahrer unverletzt – Auto Totalschaden.
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Abb. 7
Resümee
Rennen auf dem Stadtkurs von Nürnberg: Das ist immer etwas Besonderes. Gute Karten auf den Tribünen sind allerdings schnell ausverkauft.
Abb. 8
Autor und Abbildungen: Klaus Ridder
Abbildungen:
Abb. 1: Jordan Pepper (Lamborghini): Der Sürdafrikaner stand auf der Pole beim Samstagsrennen
Abb. 2: Spitzkehre: Nach dem Start kommt nach etwa 1.000 Metern die Spitzkehre – dann wird’s oft eng.
Abb. 3: Crash: Beim Rennen am Sonntag gab es eine Massenkarambolage. Leitragender war der grüne BMW von Marco Wittmann
Abb. 4: Rettung: Die Helfer waren sofort zur Stelle. Vorbeifahrt der Renner in der zweiten Runde und dann Rennabbruch
Abb. 5: Entspricht allen internationalen Sicherheitsanforderungen: Die Rennstrecke mit Betonmauer und FIA Sicherheitszaun.
Abb. 6: Boxenstopp: Der muss blitzschnell gehen, entscheidet er doch über Sieg und Niederlage. Hier der Sieger Thomas Preining mit dem Grello Porsche.
Abb. 7: Auch im Mittelfeld wurde hart gekämpft: Publikumsliebling Rene Rast auf dem blauen BMW versucht den Mercedes AMG von Tom Kalender zu überholen.
Abb. 8: Überragender Fahrer: Der Österreicher Thomas Preining war zwei Mal auf der Pressekonferenz dabei: einmal als Zweiter am Samstag und dann Sieger am Sonntag.