//Nationales Auto Museum: The Loh Collection – Hochschulcampus und Rallye-Legenden

Nationales Auto Museum: The Loh Collection – Hochschulcampus und Rallye-Legenden

Abseits aller Verkehrsströme inmitten des Siegerlandes in Dietzhölztal südlich des Rothaargebirges gelegen überrascht das Nationale Auto Museum – The Loh Collection – immer wieder mit Neuigkeiten. So erweitern nicht nur immer verschiede Fahrzeuge die einmalige Sammlung von Automobil-Raritäten, sondern auch Studiengängen zur Historie der Mobilität. Der führende Gutachter für Unfallforschung in Deutschland, Prof. Dr. Jochen Buck, erläuterte anlässlich einer Pressekonferenz die Einzelheiten.

Das Nationale Auto Museum entstand aus der Idee des leidenschaftlichen Autosammlers Prof. Dr.-Ing. Friedhelm Loh, der 2023 seine private Sammlung edler Automobile der Öffentlichkeit zugänglich machte. Und die Sammlung kann sich sehen lassen. Da ist der Nachbau des Benz‘schen Dreirads aus dem Jahre 1886 – Berta Benz fuhr mit diesem ersten Auto der Weltgeschichte von Ladenburg nach Pforzheim –, ein Lohner-Hybrid-Feuerwehrwagen oder gar ein F1-Ferrari von Michael Schumacher. Insgesamt umfasst die ausgestellte Sammlung etwa 150 Exponate. Hinzu kommen noch zahlreiche Fahrzeuge, die außerhalb der denkmalgeschützten Werkshallen gelagert werden. Übrigens, das Auto Museum wurde von der Federation Internationale Automobile (FIA) 2023 mit einer besonderen Trophäe, dem Founding Members Club Herritage Cup ausgezeichnet, die im Rahmen der Verleihung von Fahrer-Weltmeister-Trophäen in London erfolgte.

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Einmalig in Deutschland: Das Museum als Hochschulcampus

Das überragende Fahrzeugportfolio und die professionelle Kuration machen das Museum auch für Forschung und Lehre interessant. Zeitgleich mit der Eröffnung nahm daher der „Hochschulcampus Nationales Automuseum“ der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) dort seine Arbeit auf. Die HfWU steht für Wirtschaft und Umwelt sowie Automobil- und Mobilitätswirtschaft. Die wissenschaftliche Leitung des Campus liegt in den Händen von Prof. Dr. Jochen Buck, dem führenden Gutachter für Unfallforschung in Deutschland. Er hält packende Vorlesungen im Bereich Automobil- und Mobilitätswirtschaft und ermöglicht „Erfahrungen live am Objekt“ in Dietzhölztal. Inzwischen haben am Nationalen Automuseum bereits rund 150 Teilnehmer den weltweit einzigartigen Zertifikatskurs zum Gutachter für klassische Fahrzeuge „Certified Expert for Historic Cars (CEHC)“ absolviert.

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Masterstudiengang mit Abschluss „Master of Science“

Angesichts des großen Interesses hat Prof. Dr. Buck einen Masterstudiengang mit dem Abschluss „Master of Science“ an der HfWU zum Thema Automobilhistorie konzipiert. Bereits vor dem Start im November 2025 waren die erste Studienjahrgänge ausgebucht. Die Bestätigung des Landes Baden-Württemberg, wonach alle rechtlichen Anforderungen für eine neue Stiftungsprofessur am Nationalen Automuseum erfüllt sind, liegt ebenfalls vor. Aktuell läuft die Ausschreibung. Die Berufung erfolgt im Frühjahr 2026. Einen weiteren Schwerpunkt setzt Wolfgang Henseler, Professor für Digitale Medien der Hochschule Pforzheim, mit dem Zertifikatskurs „Certified Expert for Car Design“ (CECD)“, der ebenfalls von der HfWU am Standort Dietzhölztal angeboten wird: Hier erhalten die Teilnehmer Kenntnisse zu Designgrundlagen, Bewertungskriterien für gutes Design, der Historie des Automobildesigns, Trends sowie Zukunftsszenarien.

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Sonderausstellung „Rallye-Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee“

Fester Bestandteil des Nationalen Automuseums sind neben der umfangreichen Dauerausstellung saisonal wechselnde Sonderausstellungen mit speziellen Schwerpunkten. Nach „100 Jahre 24h Le Mans – der Mythos, die Helden, die Autos“, „Ferrari – Meisterstücke für Rennstrecke und Straße“ und „Grand Prix – Ikonen der Königsklasse“ eröffnete am 28. März 2026 die vierte Ausstellung. Die in dieser Form weltweit einzigartige Sonderschau porträtiert mit ausgesuchten Fahrzeugen rund ein Jahrhundert Rallyegeschichte. „Der Rallyesport hat eine Vielzahl faszinierender Automobile hervorgebracht“, sagt Museumsgründer Prof. Dr. Friedhelm Loh. „Er ist zweifelsfrei die kompletteste Disziplin in der facettenreichen Motorsportwelt.“ Die Bandbreite der ausgestellten Fahrzeuge reicht von Vorkriegsfahrzeugen aus dem Starterfeld der Rallye Monte Carlo über Ikonen der Gruppe-4-Zeit und eine einzigartige Zusammenstellung der legendären Gruppe B-Monster bis hin zu den Gewinnertypen der WRC-Ära. Aber auch Meilensteine aus der Historie des Wüsten-Marathons, der Rallye Dakar und Rekordfahrzeuge des Pikes Peak Hill Climb (Colorado), gehören zum spektakulären Ensemble der neuen Sonderausstellung. Vielfältig ist auch die Liste der Weltstars, die einst die gut zwei Dutzend Ausstellungsstücke über die Rallye-Pisten gejagt haben: Walter Röhrl gehört ebenso dazu wie Carlos Sainz, Rauno Aaltonen, Hannu Mikkola, Markku Alén, Michèle Mouton, Henri Toivonen, Ari Vatanen, Juha Kankkunen, Didier Auriol, Sébastien Loeb und Stéphane Peterhansel.

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Resümee

Seit der Eröffnung des Museums im Jahre 2023 gingen dort 230.000 Besucher ein und aus – Tendenz steigend. Allein 2025 waren es 100.000. Ziel des Museums und seines Gründers Prof. Dr. Loh ist es, die geschichtliche, technische und wirtschaftliche Entwicklung des Automobils zu dokumentieren. Und das ist in den drei Jahren seit Gründung auch vollauf gelungen. Ein Besuch lohnt sich!

Autor: Klaus Ridder

 

 Abb. 1 (Aufmacherbild): Eindrucksvoll: Eine moderne Verkleidung umgibt die historischen Werkshallen mit einem Schaufenster, in dem wechselnd Autoraritäten gezeigt werden (Quelle: K. Ridder).

Abb. 2: Prof. Dr.-Ing. Friedhelm Loh (re. im Bild): Sammler und Gründer des Nationalen Auto Museums (Quelle: K. Ridder).

 Abb. 3: Prof. Dr. Jochen Buck: führender deutscher Gutachter für Unfallforschung, der den Campus im Nationalen Deutschen Automuseum betreut (Quelle: K. Ridder).

 Abb. 4: Sonderausstellungen: Sie sind fester Bestandteil des Nationalen Auto Museums. Im Jahr 2026 lautet das Thema „Rallye Legenden“ (Quelle: K. Ridder).

 Abb. 5: Ein kleiner Flitzer aus Frankreich: Dieser Renault Alpine A110 1600 S hat Rallye-Geschichte geschrieben (Quelle: K. Ridder).