Nürburgring im März, früher lag um diese Zeit noch regelmäßig Schnee. Doch der Klimawandel lässt heute bereits auch Rennen in einer Zeit zu, in der sich auf 600 Metern Höhe die Natur noch gar nicht so richtig auf Frühling eingestellt hat. Die jährlichen Reparaturarbeiten waren beendet und so fand der erste Lauf zur NLS/VLN-Langstreckenmeisterschaft bereits am dritten März-Wochenende statt. Viele tausend Zuschauer waren gekommen, um endlich einmal wieder Motorsport in der Eifel zu erleben.
Bekanntlich gab es im vergangenen Jahr mit der Durchführung der NLS/VLN-Langstreckenmeisterschaft Schwierigkeiten. Die Nürburgring GmbH wollte eine eigene Langstreckenmeisterschaft durchführen, die Nürburgring Endurance Serie (NES), und scheiterte kläglich. Sogar Gerichte wurden eingeschaltet, und das letzte Urteil zugunsten der NLS/VLN-Veranstalter wurde Anfang März 2025 im Hauptsacheverfahren vom Landgericht Mainz gesprochen: Der Nürburgring muss bei der Rennserie auch 2026 und in den folgenden Jahren zu einem angemessenen Entgelt Zugang zur Kombination aus Grand-Prix-Strecke und Nordschleife geben – inklusive der dazugehörigen Boxengasse, Fahrerlager und Tribünen. Das Hickhack im vergangenen Jahr scheint wohl nun zu Ende zu sein. Es hat allen Beteiligten bis heute viel Zeit und Geld gekostet. Einige Teams, beispielsweise Frikadelli Racing, haben die VLN/NLS-Serie sogar ganz verlassen.
300 Fahrer aus 29 Nationen und 117 Fahrzeuge
Nach viermonatiger Pause waren Fans und Teilnehmer gleichermaßen heiß darauf, dass es auf dem Nürburgring wieder losgeht. Der Saisonauftakt der ADAC Nürburgring Langstrecken Serie versprach Spannung pur. Ganze 117 Fahrzeuge nehmen bei der 70. ADAC Westfalenfahrt die Grüne Hölle über die Distanz von vier Stunden unter die Räder. Mehr als 300 Fahrer aus 29 Nationen traten mit Rennboliden von 19 unterschiedlichen Herstellern an – Motorsportherz was willst Du mehr? Tickets für das Rennen waren ab 25 Euro unter https://vln.de/tickets erhältlich. Jugendliche bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Wer nicht live vor Ort war, konnte den kompletten Renntag im Livestream unter https://vln.de verfolgen.
Neu war der Einstieg von Ford. Das Haupt Racing Team aus Meuspath am Nürburgring bestritt beim NLS-Auftakt den ersten Renneinsatz mit dem Ford Mustang GT3 auf der Nürburgring Nordschleife. Die beiden bulligen US-Cars des Teams aus dem Gewerbepark am Nürburgring waren extrem stark besetzt: In der Startnummer 2 sollten sich Nico Bastian, Arjun Maini, Denni Olsen und Frank Stippler abwechseln. Der zweite Mustang ging mit der Startnummer 6 ins Rennen mit den Fahrern Dennis Fetzer, Jusuf Owega, David Schumacher und Dirk Müller. „Das gesamte Team freut sich sehr auf unser erstes Rennwochenende mit dem Ford Mustang GT3“, sagte HRT-Geschäftsführer Ulrich Fritz vor dem Rennen. „Einen besseren Ort als unsere Heimstrecke hätten wir uns für das Debut nicht aussuchen können.“ Allerdings wurde der Einsatz von zwei Ford GT3 getrübt: Nico Bastian zerlegte das brandneue Auto im Streckenabschnitt Pflanzgarten so heftig, dass der Renner nicht mehr zu gebrauchen war. Auffallend auch, dass aktuelle und ehemalige DTM-Fahrer wie Arjun Maini, Frank Stippler, David Schumacher, Marco Engel, Lucas Auer, Mirko Bortolotti, Luca Engstler, Ben Dörr, Augusto Farfus, Thomas Preining, Ayhancan Güven, Kelvin van der Linde und Marco Winkelhock dabei waren. Mit Manfred Winkelhock war sogar ein ehemaliger F1-Fahrer dabei.
4 Porsche GT3 vorne im Ziel
Frank Stippler, der kurzfristig für das litauische Team JVTA RACING auf einem wunderschön aussehenden AUDI R78 LMS GT3 startete, gewann das Qualifying. Nach dem Start verteidigte Stippler zunächst die Führung. Ein kurzer Regenschauer zwischen Training und Rennen machte die Anfangsphase zu einem Reifenkrimi. Am Ende von Runde eins kehrte der Abt-Lambo in Führung liegend zurück. Frank Stippler war mit Regenreifen gestartet und fuhr nach der ersten Runde an die Boxen, um sich Slicks abzuholen. „Der Anfang war schwierig, denn wir sind das Rennen auf Regenreifen gestartet und direkt nach der ersten Runde zum Reifenwechsel auf Slicks an die Box gekommen“, sagte Morris Schuring, der zehn Jahre nach seinem Vater seinen ersten NLS-Sieg feierte. „Das erwies sich später aber als goldrichtig, denn die Strategie hat perfekt funktioniert.“ Co-Pilot Sven Müller ergänzte: „Von Startplatz 15 auf eins, so kann man arbeiten.“ Auch wenn er am Ende hinter den Teamkollegen „nur“ auf Platz zwei abgewinkt wurde, war Nico Menzel (Lokalmatador aus Kelberg) zufrieden: „Besser kann man ja gar nicht in die neue Saison starten.“ Auch DTM-Champion Preining war froh, am Ende einen Podestplatz errungen zu haben. Nach einem unfreiwilligen Dreher in der AMG-Arena in Runde eins kämpfte sich das Manthey-Duo vom Ende der ersten Startgruppe Schritt für Schritt nach vorne. „Nach der turbulenten Startphase am Ende Dritter zu werden, konnte man nicht erwarten“, so der Österreicher. „Wir waren von Anfang an auf dem richtigen Reifen und haben so einen Boxstopp gespart.“ Insgesamt waren 4 Porsche GT3 vorne im Ziel.
Vater und Sohn siegten
Ein ganz besonderer Renntag steht Michael Bohrer bevor. Zum ersten Mal bestritt sein achtjähriger Sohn Jonas einen Renneinsatz am gleichen Tag und am gleichen Ort. Während Vater Michael zusammen mit Gerrit Holthaus einen Hyundai i30N für CSRacing pilotiert, war Jonas Teilnehmer des Auftaktrennens der 1. NLS Kart-Slalom-Meisterschaft. „Ich freue mich riesig auf unsere ganz spezielle gemeinsame Rennpremiere“, sagt Michael Bohrer. „Jonas ist auf dem Nürburgring groß geworden. Dass wir nun zum ersten Mal gemeinsam einen Renntag bestreiten, das hat es so noch nicht gegeben. Auch ich habe meine ersten Schritte im Motorsport im Jugend-Kart-Slalom absolviert und finde es super, dass die NLS dem Nachwuchs diese Möglichkeit bietet.“ Auf dem Hubschrauberlandeplatz im Fahrerlager gingen die Kart-Kids von 9.30 Uhr an in den Parcours. Gestartet wurde bis 14.00 Uhr in fünf Altersklassen mit einheitlichen Elektro-Karts von Mach1.
Resümee
Hat mal wieder riesigen Spaß gemacht, den Saisonauftakts zu erleben. Erfreulich auch, dass die Querelen zwischen der Nürburgring GmbH und den NLS-Veranstaltern beendet sind.
Autor: Klaus Ridder, Abbildungen: Klaus Ridder, VLN/NLS
Abbildungen:
Abb. 1: Frank Stippler startete von der Pole 1 (Ridder)
Abb. 2: Die obligatorische Banane für Frank Stippler von Eve Scher, seiner Frau (Ridder)
Abb. 3 VdM Mitglied Tim Upietz: Der Fotograf, Autor und Verleger bei der Arbeit im Presseraum (Ridder)
Abb. 4: Das Nürburgring-Maskotchen sorgt für Kinderfreude – aber auch Erwachsene haben daran Gefallen (Ridder)
Abb. 5: Nach einer Einführungsrunde folgt ein „fliegender Start“. Vorne links Frank Stippler (Ridder)
Abb. 6: Frank Stippler (AUDI R8 LMS) kam nach der ersten Runde zum Reifenwechsel in die Box. Er wechselte von Regenreifen auf Slicks (Ridder)
Abb. 7: Noch nicht viel „grün“ in der Eifel im März 2025. Blick auf die Mercedes-Tribüne (Ridder)
Abb. 8: Das Team von Haupt Racing war mit 2 Ford GT3 am Start. Einer davon wurde am Pflanzgarten förmlich zerlegt. Hier der übergebliebene Mustang auf dem Weg zur Box (Ridder)
Abb. 9: Die Falkenporsche GT3 mit den Startnummern 3 und 4 siegten. Hier im neu asphaltierten Streckenabschnitt Pflanzgarten (Ridder)
Abb. 10: Meine Freunde, die Streckenposten am Pflanzgarten, beobachteten den Einschlag des Ford GT3 (Ridder)