//Sicher und komfortabel im Bus unterwegs

Sicher und komfortabel im Bus unterwegs

Verkehrssicherheitsexperten unterwegs im Setra S 516 HD/2

Wenn Fachjournalisten einen Omnibus testen, dann betrachten sie in erster Linie die Fahreigenschaften des Fahrzeuges: Wie lässt er sich steuern, wie leistungsfähig ist er, wie hoch ist sein Verbrauch und welche Sicherheitsausstattungen bietet er? Letztlich rundet ein Blick in die Preis- und Ausstattungsliste das ganze ab. Wie sich hingegen die Passagiere im Bus fühlen, das wird seltener unter die Lupe genommen. Der VdM wollte es wissen und machte die Probe aufs Exempel. Vorhang auf für einen etwas anderen „Test“ mit durchaus kompetenten Versuchspersonen…

Das Versuchsfahrzeug: Ein Setra S 516HD/2 ComfortClass mit 53 Sitzplätzen. Ausgestattet mit allen wichtigen Sicherheitsfeatures wie zum Beispiel Abstandstempomat, Spurhalteassistent, Notbremsassistent und dem Aufmerksamkeitsassistent. Erwähnenswert sei in dem Zusammenhang auch die besondere Crashstruktur des Setra, die sich so liest: „Der Front Collision Guard (FCG) wandelt durch seine Absorberstruktur Aufprallenergie in Verformungsenergie um. Der Fahrerarbeitsplatz verschiebt sich nach hinten und die Folgen des Aufpralls werden für alle Fahrzeuginsassen gemindert.“ Der Vollständigkeit halber: Angetrieben wird der Bus vom Motor OM 470 Euro 6 mit sechs Zylinder, die 315 kW leisten.

Die Versuchspersonen: 45 Dieselringträger, VdM-Vorstände sowie deren Partner. Zwischen 39 und 92 Jahre alt, 1,50 bis 1,93 Meter groß, davon 45 % Frauen und 55 % Männer. Kurzum: Eine durchaus „repräsentative“ Gruppe.

Die Versuchsanordnung: Ein Fragebogen mit 12 Themen und 31 Unterpunkten. Bewertet wird nach dem Schulnotensystem mit den Noten 1 bis 6 („sehr gut“ bis „ungenügend“). Und dann zählt natürlich auch das Popometer der Versuchspersonen.

Alles einsteigen!

Als nun der Bus an einem frühen Herbstmorgen vor der Reisegesellschaft anrollt, kommen schon mal die ersten Kommentare: „Der sieht aber gut aus.“ Das Design gefällt, eine frische Farbgebung und große Fenster prägen das Bild. Ob letztere auch ihre Funktion erfüllen, werden die Passagiere noch später bewerten. Lob gibts beim vorderen Einstieg. Die Trittstufen sind für den Großteil der Passagiere nicht zu hoch, auch wenn vereinzelt eine kleine Person oder ein Gehbehinderter das anders sehen. Die Haltemöglichkeiten hingegen werden im großen und ganzen gelobt. Gleiches gilt übrigens auch für den Ein- und Ausstieg in der Mitte.

Auf dem Weg zum Sitzplatz fällt einigen Mitfahrern der doch recht schmale Gang auf. Ein Kenner der Materie weiß aber sofort: „Hier wurde der vorhandene Platz optimal ausgenutzt.“ Wie subjektiv hingegen Sitze wahrgenommen werden, zeigt die Bewertung. Einem 1,90 Meter großen Mann war der Sitzabstand zu eng, eine 1,70 Meter große Frau fand die Sitze gut. Klar ist: bei 14 Sitzreihen, wie in unserem sogenannten 3-Sterne-Bus, bleiben zwischen den Sitzen rund sechs Zentimeter weniger Beinfreiheit als bei einem 4-Sterne-Bus, der nur mit 13 Reihe daherkommt (und somit auch deutlich weniger Passagiere befördern kann). Aber: Unser Anspruch bestand darin, einen Bus mit mehr als 50 Plätzen zu chartern.

Bitte anschnallen!

Nicht so gut weg kommt die Sitzbreite. Sie empfinden viele als zu schmal. Vielleicht lag es aber auch daran, dass man zum Teil seine Mäntel anbehielt. Die hätten eigentlich in die Gepäckablage gehört. Diese war gut zu erreichen, manchem aber etwas zu klein. Nun gut: Ablagen wie im Flugzeug kann man in einem Bus natürlich nicht erwarten! Zurück zum Sitz: Wer es dann verstanden hat, seinen Gangsitz ein wenig zur Mitte zu verschieben (das ist möglich), hatte schon ein besseres Sitzgefühl. An dieser Stelle ein Tipp an die Sitzausstatter: Die Funktionen der Armlehnen und die Verstellmöglichkeiten der Sitze sollten besser erkennbar sein. Interessant: Auf den Hinweis vom Fahrer, sich doch bitte anzuschnallen, suchten einige zunächst einmal den Sicherheitsgurt. Hier wurde wieder einmal deutlich: Passagiere von Omnibussen können nicht intensiv genug auf die Sicherheitsfunktionen des Gurtes hingewiesen werden.
Das Klima im Bus schien angenehm. Zum Glück waren die Temperaturen in diesem Herbst noch sehr moderat. Lediglich die Regelung der Düsen über den Köpfen wurde ein wenig moniert. Hier hätte man sich etwas individuellere Einstellmöglichkeiten gewünscht.

Viel Lob erntete der Fahrkomfort. Geräusche und Dämpfung wurden als angenehm erachtet, besonders hervorgehoben wurde die Tatschte, dass es mehrere Steckdosen im Bus gab – gut für das Aufladen des Handys. Für das Wohlbefinden trugen auch die großen Fensterflächen bei, dass sie bei starker Sonne spiegelten, fiel dem einen oder anderen Passagier dann doch noch auf.

Hier geht es zum Fragebogen und Ergebnissen: Umfrage Bus

Gute Fahrt!

Busfahren, das wurde auch in dieser Gruppe deutlich, ist kommunikativ. Das gemeinsame Ein- und Aussteigen, die kollektive Unterhaltung während der Fahrt (ein Umherlaufen wollen wir hier aus Sicherheitsgründen nicht propagieren) und nicht zuletzt das entspannte Reisen machen einfach Spaß. Voraussetzung: Man fühlt sich sicher aufgehoben und komfortabel chauffiert. Dann dürfte auch der Bus seine Zukunft behalten.

Zu guter Letzt noch ein bisschen Unfallstatistik: Von den 302.565 Unfällen mit Personenschaden in 2017 fielen 5.873 auf Omnibusse – nicht einmal zwei Prozent. Mit 447 Unfällen (Stand 2016) ist hier lediglich der Eisenbahnverkehr besser.
bic
Fotos: Bicker