//Senioren im Blickpunkt

Senioren im Blickpunkt

Mit dem Verkehrssicherheitsreport „Mobilität im Alter“ hat die Sachverständigenorganisation Dekra 2021 die 14. Ausgabe vorgelegt. Der Stellenwert von Verkehrssicherheitsarbeit für ältere Menschen wird deutlich, wenn man sie in der Unfallstatistik mit jüngeren Altersgruppen vergleicht. Während die Zahl der Verkehrstoten bei den 18- bis 64-Jährigen zwischen 2010 und 2018 zurückgegangen ist, zeigen die Daten der International Traffic Safety Data and Analysis Group (IRTAD) im selben Zeitraum bei der Zahl der Verkehrstoten über 65 Jahren einen Anstieg.

„Angesichts der mit zunehmendem Alter höheren Vulnerabilität, also dem im Vergleich zu jüngeren Menschen höheren Risiko, bei gleichen Unfallbelastungen schwerere oder tödliche Verletzungen zu erleiden, besteht die Gefahr, dass sich die Zahl der Unfallopfer im Straßenverkehr in der Altersgruppe 65+ weiter erhöht“, so Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH.

Eine Herausforderung besteht dabei darin, einen Zielkonflikt zu lösen: Einerseits soll die eigenständige Mobilität von Senioren als Art der sozialen Teilhabe bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Andererseits soll das Risikopotenzial, das für sie besteht und das mitunter auch von ihnen ausgeht, minimiert werden.

Kurzfristig: Fokus auf den „Faktor Mensch“ 

Assistenzsysteme können altersbedingte Defizite bis zu einem gewissen Grad ausgleichen und dazu beitragen, dass ältere Fahrer etwa aufgrund von Fehlverhalten am Steuer seltener in Pkw-Unfälle verwickelt oder gar Hauptverursacher sind. Zu bedenken ist allerdings, dass eine hohe Marktdurchdringung von Fahrzeugen mit Assistenzsystemen viel Zeit erfordert. Ebenso nehmen infrastrukturelle Maßnahmen von der Planung bis zur Umsetzung häufig einen längeren Zeitraum in Anspruch.

Das heißt nicht, dass das Verkehrssicherheitspotenzial von Technik und Infrastruktur geringgeschätzt werden soll. Kurzfristig allerdings empfiehlt der DEKRA Verkehrssicherheitsreport, den Fokus auf den „Faktor Mensch“ zu legen. 

Der Report enthält reale Unfallbeispiele, die einige der Herausforderungen in Verbindung mit älteren Verkehrsteilnehmern illustrieren.

Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2021 „Mobilität im Alter“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung. 

Dekra Forderungen für mehr Verkehrssicherheit von Senioren 

– Ältere Menschen müssen für eine sichere Teilnahme am Verkehrsgeschehen intensiv in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit beziehungsweise Einschränkungen aufgeklärt werden. 

– Für Senioren über 75 Jahren sollten regelmäßige Rückmeldefahrten als wichtiger Beitrag zum Kompetenzerhalt verpflichtend sein. 

– Alle relevanten Akteure im Gesundheitssystem müssen dafür sensibilisiert und qualifiziert werden, ältere Menschen im Hinblick auf ihre Fahrsicherheit zu beraten. 

– Die Marktdurchdringung von Fahrerassistenzsystemen muss im Interesse der Sicherheit weiter verbessert werden. 

– Sicherheitsrelevante Funktionen im Fahrzeug sollten – unabhängig vom Fahrzeugmodell – für eine möglichst intuitive Bedienung weitgehend vereinheitlicht werden. 

– Zur Sicherung von Querungsstellen sind gerade auch für ältere Fußgänger je nach Örtlichkeit Lichtsignalanlagen, Fußgängerüberwege (Zebrastreifen), Mittelinseln oder vorgezogene Fahrbahnränder unverzichtbar. 

– Angesichts der immer häufigeren Nutzung von Fahrrädern und Pedelecs durch die Altersgruppe 65+ müssen der verkehrssichere Ausbau des Radwegenetzes und die Pflege der Radwege eine hohe Priorität genießen. 

– Vor dem Verkauf von Pedelecs sollte gerade auch bei älteren Menschen eine intensive Beratung erfolgen und die Möglichkeit bestehen, sich in Ruhe mit dem ungewohnten Fahrverhalten vertraut zu machen. 

– Um Falschfahrten auf Autobahnen möglichst zu verhindern, sind geeignete Maßnahmen erforderlich, die den Kraftfahrern helfen, sich (intuitiv) richtig und frühzeitig zu orientieren. 

– Speziell in ländlichen Regionen müssen Modelle entwickelt werden, die die Mobilität älterer Menschen erhalten, ohne auf das Fahren eines eigenen Pkw angewiesen zu sein. 

(Dekra/bic)
Foto: Jonathan Judmaier/Pixabay