//DTM 2021: Neuanfang mit GT3-Boliden

DTM 2021: Neuanfang mit GT3-Boliden

Die DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters) war jahrzehntelang ein Aushängeschild des deutschen Motorsports – doch dann „bröckelte“ die Serie und die Firmen zogen sich zurück. 2020 waren nur noch zwei Marken vertreten: BMW und Audi. Und dann machte auch AUDI einen Rückzieher. Auch der Star der letzten Jahre, der charismatische Rene Rast wanderte in die nicht so prestigeträchtige Formel E. Was nun? Ex-Formel-1-Fahrer und DTM-Boss Gerhard Berger (A) fand eine Lösung? Die GT3-Boliden, die sauschnell bei Langstreckenrennen auf dem Nürburgring oder in der Rennserie ADAC GT Masters unterwegs sind, sollen ab 2021 um die Deutsche Meisterschaft fahren. Ob das wohl gut gehen wird? Eine Vorschau, was sich da in der deutschen Motorsportszene tut.

Fünf Marken am Start

Das Erfreuliche an der „neuen DTM“ ist, dass Mercedes in die Meisterschaft zurückkommt und auch weitere Marken am Start sind, insgesamt sind es fünf (statt bisher nur zwei). Während Audi und BMW zuletzt in der DTM unter sich waren, kehrt Mercedes-AMG als langjähriger Teilnehmer der DTM zurück. Aus Italien und England kommen mit Ferrari und McLaren zwei neue Herausforderer hinzu. Damit erlangt die DTM eine beeindruckende Markenvielfalt, einhergehend mit unterschiedlichen Konzepten mit Front- und Mittelmotoren mit acht und zehn Zylindern, Sauger und Turbo.

Neu ist, dass ab sofort mit Michelin Reifen gefahren wird obgleich der Vertrag mit Hankoog noch bis 2023 läuft. Gestritten wurde, wie viele Satz Reifen an einem Wochenende zur Verfügung stehen. Darunter kann das Freitagstraining leiden, weil man dann wohl Reifen schonen will.

Fahrer aus elf Nationen

19 Fahrer aus elf Nationen stehen in der vorläufigen Starterliste der DTM 2021, die eine erlesene Mischung von Fahrern mit Formel-1-Erfahrung, ehemaligen DTM-Champions, erfahrenen GT3-Assen und aufstrebenden Jungstars widerspiegelt.

Mit Erfahrung aus der Formel 1 gehen in der DTM Alex Albon (THA), Timo Glock (GER) und Christian Klien (AUT) an den Start. Während der deutsche Publikumsliebling Glock alle Rennen bestreitet, steht Albon auch bei Red Bull Racing als Ersatz- und Testfahrer in der Pflicht und übergibt bei ausgewählten Rennen das Ferrari-Cockpit an Nick Cassidy (NZL).

Zwei junge Piloten mischen sich mit Erfahrung aus der Formel 2 ins DTM-Feld: das erst 19 Jahre alte Toptalent Liam Lawson (NZL), F2-Auftaktsieger in Bahrain, sowie der 23-jährige Inder Arjun Maini.

Dabei ist, erstmals seit 2012, eine Rennfahrerin: Die erst 20jährige Sophia Flörsch aus München. Bekannt wurde Sophia Flörsch durch ihren mehrfachen Überschlag beim F3-Rennen in Macau 2019. Die Bilder gingen um die Welt!

DTM in den Medien

Die Internationalität des DTM-Starterfeldes mit elf Nationen spiegelt auch die weltweite Bekanntheit der DTM wider. „Schon heute, zwei Monate vor dem Saisonstart, steht fest, dass die DTM in über 50 Ländern live übertragen wird. Das ist enorm. Dazu haben wir mit SAT.1 einen langjährigen und starken Partner für den deutschsprachigen Raum. Über Streamingdienste wie unsere eigene Online-Plattform DTM Grid kann die DTM weltweit sogar auf jedem Smartphone verfolgt werden“, verweist Benedikt Böhme, Geschäftsführer der für die Organisation und die Vermarktung zuständigen ITR GmbH, auf die beachtliche Reichweite der DTM.

Auch hat die neue DTM einen neuen erfahrenen Presssprecher: Uwe Baldes aus Adenau am Nürburgring. Baldes war Presssprecher im Phoenix Rennteam und bei der Nürburgring GmbH. Seit seinem Amtsantritt gibt es regelmäßig fachkundige Pressemeldungen. Bleibt zu hoffen, dass künftig auch die Akkreditierung besser klappt als in der Vergangenheit, zumal die DTM es dringend nötig hat, dass auch in den Printmedien über die Rennen berichtet wird.

Testfahrten in Hockenheim und am Lausitzring

Die DTM mit den GT3-Boliden ist neu. So war es erforderlich, umfangreich zu testen. Die ersten Tests auf dem Hockenheimring (7. und 8.4.) fanden fast unter winterlichen Bedingungen statt. Etwas besser war es dann schon bei den Tests in der ersten Maiwoche am Lausitzring.

Nur 96 Tausendstelsekunden trennten am Ende der offiziellen dreitägigen DTM-Testfahrten Maximilian Götz und Liam Lawson. Der erst 19-jährige Neuseeländer holte in den letzten Minuten alles aus seinem Red Bull-Ferrari heraus, am Ende fehlte nur ein Wimpernschlag. So dominierte Maximilian Götz aus dem fränkischen Ochsenfurt mit der dritten Tagesbestzeit, erzielt im Mercedes-AMG GT3 des Mercedes-AMG Team HRT. Die acht besten Zeiten der gesamten drei Tage wurden in der letzten Session am Donnerstagnachmittag gefahren. Wie intensiv die zehn der aktuell zwölf DTM-Teams die Vorbereitung auf den Saisonstart am 18. bis 20. Juni in Monza nutzten, unterstreichen insgesamt knapp 3.000 Runden auf dem 4,570 km langen Lausitzring. Vor allem die spektakulären Startübungen lieferten einen lebhaften Vorgeschmack auf die DTM 2021.

Ferderic Elsner, Direktor Event und Operations bei der ITR, verantwortlich für das Serienmanagement der DTM: „Auch in der neuen Saison bleibt die DTM ihrer DNA treu: Sprintrennformat, Profifahrer ohne Fahrerwechsel, Performance-Pflichtboxenstopp, reichweitenstarke Übertragung am Samstag und Sonntag ab 13.00 Uhr von unserem TV-Partner Sat.1. Neu ist das geänderte technische Reglement, das den Fans endlich wieder die langersehnte Markenvielfalt garantiert.“

Terminkalender

Für die Saison 2021 stehen Rennen in Deutschland und im nahe gelegenen Ausland im Kalender. Der späte Auftakt Mitte des Jahres soll auch die Chance erhöhen, wieder Fans vor Ort zulassen zu können, falls die Corona Pandemie abklingt.

Es sind insgesamt 16 Rennen (2x an einem Wochenende) vorgesehen, darunter jeweils zwei Doppelstarts in Hockenheim (3.10)), Lausitzring (25.7.) und Nürburgring (22.8.). Sehr spät, erst am 18. Juni 2021 wird die „neue DTM“ in Monza an den Start gehen. Nach Monza sind drei weitere Auslandsstarts im Programm Zolder (8.8.), Spielberg (5.9.) und Assen (19.9.).

Resümee

Eigentlich war die DTM nach dem Rückzug von Audi Ende 2020 totgesagt. Doch „Tote“ stehen manchmal wieder auf oder leben doch länger. So wird es hoffentlich mit der DTM 2021 geschehen. Warten wir es ab.

Klaus Ridder