//VWs neuer „People Mover“

VWs neuer „People Mover“

Glaubt man der Nomenklatur von Volkswagen Nutzfahrzeuge, so würde auf den T(ransporter) 6 beziehungsweise 6.1 der Typ 7 folgen. Dass das nicht unbedingt so sein muss zeigt die neuste Entwicklung der VW Transporterprofis. Denn der jüngst präsentierte T7 ist beileibe nicht der Nachfolger des T6. Während der bisherige Bulli eine konsequente Weiterentwicklung des ersten Modells, dem T4, war, ist der neue T7 eine komplette Neukonstruktion. Diese basiert nicht mehr auf dem Transporterfahrgestell, sondern auf der aktuellen MQB-Plattform (Modularer Querbaukasten), die unter anderem auch einen Hybridantrieb zulässt. Und genau dieser ist die wichtigste Innovation der neuen Reihe. Wenngleich: Einen reinen Elektroantrieb, wie er im Moment en vogue wäre und von VW-Chef Herbert Diess auch stark proklamiert wird, wird man hier vergebens suchen. Der ist erst dem ID.Buzz vorbehalten, der im kommenden Frühjahr vorgestellt und im Spätsommer 2022 als Van und Cargoversion auf den Markt kommt. Am Rande: Der wahre Nachfolger des T6 als klassische Transporterversion wird erst 2024 in Form einer Kooperation mit Ford kommen, wo das neue Auto auch entwickelt wird.

Sei’s drum. Der T7 ist ein moderner Großraumvan, der von der Anmutung in der Oberklasse mitspielen kann. Seine technische Ausstattung ist top, die Volkswagenmacher haben alle Register gezogen, um einen „People Mover“, wie sie ihn nennen, auf die Beine zu stellen. Äußerlich wirkt er gestreckter als der bisherige T6. Mit gut 1,90 Meter Höhe ist er niedriger, mit 4,97 beziehungsweise verlängert mit 5,17 Meter länger als der T6. Das wirkt insgesamt dynamischer. Serienmäßiges LED-Licht, auf Wunsch Matrix LED-Scheinwerfer, lassen ihn auch nachts hell leuchten. Zwei serienmäßige Schiebetüren erleichtern den Zugang in den Innenraum. Den haben die Techniker ebenfalls deutlich aufgemöbelt. Die schwere Rücksitzbank in der dritten Reihe ist leichteren Einzelsitzen gewichen. Diese sind auf bestromten Schienen befestigt, wodurch beheizte Fondsitze möglich sind. Ein tolles Raumgefühlt vermittelt das optionale Panoramadach, das laut VW mit 1,8 Quadratmeter Fläche das größte seiner Art sein soll. Dass man es nicht öffnen kann, stört ein wenig. Dieser Umstand ist aber der Tatsache geschuldet, dass man so auf einen aufwendigen Rahmen verzichten konnte.
Das digitale Armaturenbrett ist up-to-date, die Gestensteuerung der wichtigsten Bedienelemente allerdings gewöhnungsbedürftig. Weniger gewöhnungsbedürftig ist das Fahrverhalten. Es ist jetzt Pkw-ähnlicher als beim T6, der hohe Aufbau ist kaum spürbar. Man merkt, auch in die Entwicklung des Fahrwerks, wo zum Teil Aluminium verbaut wurde, haben die Techniker viel Gehirnschmalz investiert.

Den T7 wird es zum Marktstart mit zwei Benzinmotoren, -1,5 Liter TSI mit 100 kW/136 PS und 2,0 Liter TSI mit 150 kW/204 PS, sowie einem Plug-in-Hybrid mit dem 1,5 Liter Benziner und einem Elektromotor mit 85 kW/116 PS geben. Im Frühjahr wird ein 2-Liter-Diesel folgen, ohne den die Autohersteller vorerst doch nicht auskommen.
Von besonderem Interesse ist natürlich der Hybrid. Gespeist wird er aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Nettokapazität von 10,4 kWh. Rein elektrisch soll er für rund 50 Kilometer reichen. Das genügt im Prinzip, um lokal emissionsfrei zu starten. Schaltet sich der Verbrenner dazu, bekommt der Van einen ordentlichen Schub.

Besonders erwähnenswert sind auch die zahlreichen Assistenzsysteme, mit denen der T7 ausgerüstet werden kann. Zu den gängigen Serienmäßigen wie dem Notbremsassistent, der Multikollisionsbremse oder dem Spurhalteassistenten lässt sich das Auto mit bis zu 20 weiteren Systemen ausstatten. Dazu zählen das interaktive Warnsystem „Car2X“, das auf eine lokale Kommunikation mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur setzt. Das beinhaltet  zum Beispiel Warnungen vor Baustellen, Einsatzfahrzeugen, Stauenden, Gefahren oder Unfällen. Da „Car2X“ immer mit der automatischen Distanzregelung „ACC“ verbunden ist, bremst das System nicht nur in Notfällen, sondern sogar vor Ortseingängen oder Kreisverkehren selbstständig ab (wenn es entsprechend aktiviert ist).
Zu den weiteren Systemen gehören zum Beispiel der Abbiegeassistent, der vor Gegenverkehr beim Queren der Fahrbahn warnt, oder der Ausstiegswarnen, der beim Öffnen der Türen auf Radfahrer oder Autos von hinten aufmerksam macht. Darüber hinaus sind noch der „Travel Assist“, der das teilautomatisierte Fahren ermöglicht, die Distanzregelung „ACC“ mit Stop and Go Funktion sowie zum Beispiel der „Trailer Assist“, eine Anhängerrangier-Unterstützung, bestellbar. 

Den neuen Volkswagen T7 wird es ab 44.839 Euro in der Grundausstattung „Multivan“ mit dem 1,5 TSI geben, als Hybrid wird er 57.174 Euro kosten. Ein Allrad, der dann elektrisch angetrieben ist, folgt erst später.

(bic)
Fotos: Volkswagen Nutzfahrzeuge