//VLN-Rennen endlich wieder mit Zuschauern

VLN-Rennen endlich wieder mit Zuschauern

Endlich mal wieder Motorsport am Nürburgring mit Zuschauern in der Corona-Krise – zwar mit vielen Einschränkungen, aber das mussten die Zuschauer hinnehmen. Die Einschränkungen bezogen sich vor allem auf die hygienischen Auflagen, dazu gehörte es auch, dass die komplette Nordschleife gesperrt war. 

Die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ist die größte Breitensportserie der Welt. Neunmal im Jahr starten im Schnitt 170 Rennfahrzeuge – von seriennahen Renntourenwagen bis zum ausgewachsenen GT3-Boliden – auf der schönsten und anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt, der Nürburgring Nordschleife.

An der Nordschleife haben die Zuschauer normalerweise freien Eintritt, lediglich Parkgebühren in Höhe von fünf Euro (neu acht Euro) waren zu zahlen. Wenn das Wetter schön war, dann strömten so um die 30.000 bis 40.000 Zuschauer an die Rennstrecke, vor allem an die Streckenabschnitte „Brünnchen“, „Pflanzgarten“, „Hatzenbach“ und „Wehrseifen“. An die anderen Streckenabschnitte wie „Flugplatz“,“ Adenauer Forst“ oder „Schwalbenschwanz“ kommt man normalerweise nicht hin.

Diesmal waren nur Tribünen im Bereich Start und Ziel zugelassen – Karten gab es nur „online“ für 18 Euro. Auch der Gang durchs Fahrerlager und in die Startaufstellung war nicht möglich.

Zuschauer beim ROW 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen zugelassen

Mitte August gab es gute Nachrichten für die Fans der Nürburgring Langstrecken-Serie. Zum ersten Mal in der Corona-Saison sollten Zuschauer am Grand-Prix-Kurs zugelassen werden. Die Nürburgringverwaltung  hatte von der Kreisverwaltung Ahrweiler die Freigabe erhalten. Geöffnet wurden die BMW M Power Tribüne (T3), die Bilstein Tribüne (T4) und die Mercedes Tribüne (T4a). Zuschauer entlang der Nordschleife waren  nach wie vor nicht erlaubt. Tickets für das ROWE 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen am 29.08.2020 gab es ausschließlich unter www.nuerburgring.de. Der Vorverkauf startete kurz vor dem Rennen am 26.08.2020 um 10.00 Uhr. Bei Anreise mit dem Pkw musste ein Parkticket für dem der jeweiligen Tribüne zugeordneten Parkbereich gebucht werden.

„Ein kleines Stück Normalität kehrt in die in die Nürburgring Langstrecken-Serie zurück. Endlich können unsere Fans vor Ort wieder Rennluft schnuppern. Die Zuschauer sind ein elementarer Bestandteil des Sports und unserer Serie und wir sind sehr froh, sie endlich wieder an der Strecke begrüßen zu dürfen“, sagt Christian Stephani, Geschäftsführer der VL VV GmbH & Co. KG.

Weitere Auflagen: Für eine vollumfänglich Nachverfolgbarkeit wurden die drei geöffneten Tribünen in einzelne Sektionen und ausgewiesene Sitzblöcke unterteilt. Diese festgelegten Blöcke verfügen über jeweils vier buchbare Sitzplätze und haben zueinander einen entsprechenden Abstand. Auf dem Weg von der Ticketkontrolle zum Sitzplatz herrscht Maskenpflicht. Sitzplatzanweiser garantieren, dass jeder seinen personalisierten Platz auch einnimmt. So ist eine Nachverfolgung im Infektionsfall gegeben. Ein Besucherleitsystem sorgt dafür, dass sich Besucher von unterschiedlichen Tribünen nicht untereinander begegnen mussten. An jeder Tribüne gibt es nur den Besuchern der Tribüne zugeordnete sanitäre Einrichtungen und Catering.

Saisonhöhepunkt mit Rekordstarterfeld

Die Rennen um die VLN Langstreckenserie Nürburgring (NLS) dauern normalerweise vier Stunden, einmal im Jahr sind es sechs Stunden.

Das ROWE 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen wurde in seiner Rolle als Saisonhöhepunkt der Nürburgring Langstreckenserie gerecht. Ein Rekord-Teilnehmerfeld von 168 Fahrzeugen wurde für das fünfte Rennen des Jahres genannt. 485 Fahrer kämpften in Fahrzeugen von 22 unterschiedlichen Automobilherstellern in 27 Klassen über die Sechs-Stunden-Distanz um Punkte und Pokale. Das Motorsportfest perfekt machten zum ersten Mal in dieser Saison Fans an der Rennstrecke.

An der Spitze tummelten sich 35 (!) Fahrzeuge in den Klassen SP9 (GT3), SP-Pro und SP-X, die den Tagessieg unter sich ausmachen wollten. Ein Wörtchen mitreden wollte zweifelsohne auch die Scuderia Cameron Glickenhaus aus den USA. Das Team rund um den automobilen Enthusiasten und Milliardär James Glickenhaus feierte die Weltpremiere des SCG 004c, einem bildhübschen Kleinseriensportwagen, der sich optisch der Formsprache italienischer Supersportler bediente. Das Fahrzeug startete in der Klasse SP-X, hatte aber bei der Premiere auf der Nordschleife technischen Probleme und kam erst ‚unter ferner liefen‘ an.

Der hohe Stellenwert der Langstreckenserie wird auch dadurch unterstrichen, dass viele aktive und ehemalige DTM-Fahrer am Start waren , wie Bruno Spengler, Philipp Eng, Martin Tomczyk, Markus Winkelhock oder Robin Frijns.

Land-Motorsport feierten den 25. NLS-Sieg

Spannung bis zum Schluss – so lässt sich das ROWE 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen mit wenigen Worten präzise umschreiben. Erst in der letzten Runde fiel beim Saisonhöhepunkt die Entscheidung. Am Ende bejubelten Mattia Drudi, Christopher Mies und Kelvin Van der Linde im Audi R8 LMS GT3 den 25. NLS-Sieg für Land-Motorsport. Im Ziel betrug der Vorsprung auf die Markenkollegen Mirko Bortolotti, Robin Frijns, Christopher Haase und Markus Winkelhock von Car Collection nach 41 Runden gerade einmal 3,988 Sekunden. Zu Rang drei zitterten sich Luca Ludwig und Björn Grossmann im Ferrari 488 GT3 von Octane 126 mit einer gewagten Boxenstrategie .Insgesamt 14 Führungsrunden gingen auf das Konto des Octane 126 Ferrari, aber in der Schlussphase mussten die Schweizer-Equipe Zittern und Bangen. „Von der dritten Runde meines Stints an war Spritsparen angesagt. Wir haben eine mutige Strategie gewählt. Am Ende wurde das Rennen dann buchstäblich länger und länger. Rund eine Minute vor Ablauf der Zeit bin ich nach acht Runden über Start-Ziel. Danach musste ich echt rollen lassen“, so der 31jährige Ludwig. „In der letzten Runde konnte ich nicht mehr pushen und musste beide Audi ziehen lassen. Am Ende ist mir Platz 3 aber lieber als ohne Sprit am Rand parken zu müssen.“.

Die Führung wechselte während des Rennens 16 mal. Übrigens, nach sechs Stunden bei etwas kühlem Eifelwetter hatte der Siegerwagen 3.988 km zurückgelegt (Schnitt 163,28 km/h).

Und noch ein  Hinweis auf das Trainingsergebnis: Kelvin Van der Linde hatte mit einer Zeit von 6 Minuten und 56 Sekunden (Schnitt 184,12 km/h) einen neuen Rekord für die 24,4 km lange Nordschleife gefahren – wow!

Resümee

Endlich mal wieder Motorsport mit Zuschauern. Ein Anfang wurde gemacht! Hoffen wir, dass es so weiter geht. Auch der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Nürburgring, Martin Rosorius aus Siegburg, der die Interessen der Rennställe vertritt, wartet auf Zuschauer. “Sonst springen uns die Sponsoren ab“, so Martin Rosorius. Und ohne Sponsorengelder  ist dieser Breitensport auf dem legendären Nürburgring nicht finanzierbar.

Klaus Rider