//VdM-Kongress in Friedrichshafen

VdM-Kongress in Friedrichshafen

Der VdM-Kongress, erstmals öffentlich auf einer Messe durchgeführt, war ein Experiment.

Drei Tage lang erlebten Oldtimerfans in Friedrichshafen bei der Motorworld Classics Bodensee ein volles Programm rund um die historische Mobilität: Das Geschäft mit Oldtimern und die fachgerechte Restaurierung standen dabei im Fokus. Fahrzeuge aller Preisklassen waren im Angebot. Dazu gab’s ein Rahmenprogramm vom Vintage Racing bis zur Airshow mit historischen Flugzeugen. Die Veranstaltung lockte rund 38.000 Besucher an.

Ein für die meisten Messegänger gleichermaßen ungewöhnliches wie unerwartetes Highlight war dabei der VdM-Kongress, der am ersten Messetag mitten zwischen all den automobilen Pretiosen auf der Aktionsbühne in Halle B 1 über die Bühne ging. Motto: Mit dem Oldtimer in die Zukunft. Fünf Referenten hatte der VdM dazu aufgeboten, die eine Brücke schlugen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Dass wir von „Oldtimern etwas über Sicherheit lernen können“, erklärte Harald Barth, Produktmanager bei Valeo, dem verdutzten Publikum. Eine steile These, die überraschende Aspekte zutage förderte und einen Bezug von den Schnauferln der Vergangenheit über heutige Fahrzeuge bis zu den Roboterautos der Zukunft schuf.

Dr. Gerhard Gumpoltsberger, Leiter Innovationsprojekte der ZF Friedrichshafen AG, ZF, dokumentierte mit seinem Vortrag, wie sich die 1915 gegründete Fabrik vom Hersteller von Zahnrädern und Getrieben für Luftfahrzeuge, Motorwagen und -boote zum Hightech-Unternehmen wandelte. Heute, so das Motto des Referenten, heißt es auch bei ZF: „Vernetzt, elektrisch, autonom – ZF und die Mobilität der Zukunft“.

Herbert Engelmohr von der Unternehmenskommunikation des AvD (Automobilclub von Deutschland) ließ seine Zuhörer an 120 Jahren AvD-Historie teilnehmen. Seit den Anfängen der „Kraftfahrt“ muss der Club ständig auf der Höhe der Zeit sein und sich auch heute auf die Aufgaben von morgen vorbereiten.

Dieselring-Träger Dr. Dieter Müller, Professor an der Hochschule der Sächsischen Polizei in Rothenburg/Oberlausitz , betrachtete als Jurist die Problematik, die sich uns allen wohl bald stellen wird: „Zwischen Oldtimer und hochautomatisiertem Fahren – rechtliche Perspektiven des Mischverkehrs“ hieß sein spannender Vortrag, der auch deutlich machte, dass der Gesetzgeber noch eine Menge Arbeit vor sich hat, bevor wir wirklich autonom fahren können.

Und schließlich stellte sich der Vater der Motorworld, Andreas Dünkel, im Live-Interview auf der VdM-Bühne den Fragen von Sarah Elßer, die sich schon im letztjährigen VdM-Kongress als fachlich versierte und charmante Moderatorin ausgezeichnet hatte. VdM-Vorstand Andreas Keßler übernahm den Schlusspart und leitete die Gruppendiskussion und moderierte die Publikumsfragen.

Das Gros der Kongressteilnehmer stellten naturgemäß die eingeladenen und vorinformierten VdM-Mitglieder, die sich auch intensiv an den Diskussionen beteiligten. Doch der eine oder andere Messebesucher blieb hängen und lauschte spontan einem der Vorträge – auch wenn Begriffe wie „vernetzt“, „autonom“ oder „elektronisch“ so gar nicht oldtimermäßig klangen. Insofern kann man das Experiment, dem VdM zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen, durchaus als gelungen bezeichnen.

fps