Viereinhalb Jahre nach der verheerenden Ahrtal Katastrophe wurde dort am 14.Dezember 2025 der fahrplanmäßige Bahnbetrieb wieder aufgenommen. Seinerzeit hatte eine katastrophale Flut das Ahrtal südlich von Bonn zerstört. Die Folge waren mindestens 135 Tote und eine vollkommen zerstörte Bahn. Die Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie war ein großer Erfolg für die ansonsten durch „Pleiten, Pech und Pannen“ gebeutelte Deutsche Bahn (DB). Offiziell wurde die restliche Strecke zwischen den Bahnhöfen Walporzheim und Ahrbrück durch den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer bereits zwei Tage vorher eröffnet.
Das Ahrtal ist eng und seine Weinberge reichen bis nahe an die Ahr. Die Ahr entspringt in einem Haus in Blankenheim in der Eifel und fließt nach 89 kam südlich von Remagen in den Rhein. Wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und dem leckeren Ahrwein ist das gleichnamige Ahrtal touristisch sehr begehrt. Bekannt sind Bad Neuenahr mit dem Casino, aber auch gleich nebenan das mittelalterliche Ahrweiler. Erschlossen wurde das Ahrtal 1888 durch eine Eisenbahnstrecke, die ursprünglich bis in die heutige Nürburgstadt Adenau ging, zuletzt jedoch nur bis Ahrbrück. Aus strategischen Gründen wurde vor dem Ersten Weltkrieg noch eine weitere Strecke gebaut, um Wehrmachtsgüter zum „Erzfeind“ Frankreich zu transportieren. Diese Strecke wurde wegen des Kriegsbeginns 1914 aber nicht vollendet. Doch bereits 1910 gab es beim Bau dieser „Militärstrecke“ ein Hochwasser, das höher war als das aus dem Jahre 2021, und es gab 53 Todesopfer, darunter auch italienische Bauarbeiter, die die Parallelstrecke bauten.
Katastrophe im Juli 2021
Tagelanger Regen löste am 21.07.2021 eine Flutkatastrophe mit verheerenden Folgen aus. Im Ahrtal starben mindestens 135 Personen, tausende Häuser, Brücken und Bahnhöfe wurden zerstört. Kurz nach der Katastrophe teilte die DB mit, dass insgesamt 600 km Bahnstrecke von dem Unwetter betroffen waren, nicht nur im Ahrtal. Es könnte, so die DB damals, Monate und Jahre dauern, bis alles wieder repariert sei. Die DB schätzte den Schaden damals in NRW und Rheinland-Pfalz auf 1,3 Mrd. Euro.
Wiederaufbau schrittweise
Der Wiederaufbau erfolgte schrittweise. Zunächst wurde der Streckenabschnitt von Remagen am Rhein bis Walporzheim (hinter Bad Neeuahr) in Betrieb genommen. Schwieriger war dann der westliche Abschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück. Hier ist das Ahrtal besonders eng und die Strecke führt durch zahlreiche Tunnel. Für diese 18 km lange Strecke mussten 15 Brücken neu gebaut werden. Auch die fünf Tunnel waren zerstört. Weil man sich entschlossen hatte, die Strecke zu elektrifizieren, mussten die Tunnel zudem vergrößert werden. Das alles dauerte seine Zeit. So wurden 28.000 Betonschwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 9 Weichen oder auch 36 km Schienen neu verbaut. Der Startschuss zum Bau der westlichen Ahrtalstrecke erfolgte am 12.09.2023. Nach rund zwei Jahren war man im Großen und Ganzen fertig – eine Meisterleistung, wengleich noch viele ‚Nacharbeiten‘ zu tätigen. Zudem soll die Strecke teilweise zweigleisig ausgebaut werden. Die Kosten für den Neubau, der größtenteils vom Bund finanziert wurde, betragen 590.000 Millionen €.
Abb. 2
Abb. 3
Seit dem 14. Dezember fährt die Bahn durchgängig von Remagen bis Ahrbrück – derzeit gleichwohl nur bis Altenahr im Halbstundentakt, bis zur Endstation Ahrbrück dann stündlich. Im Januar Januar 2026 soll schließlich alles fertig sein – danach winkt ein größeres Angebot an Zugverbindungen mit Direktverbindungen bis Boppard am Rhein. Eingesetzt werden derzeit rote Züge der DB und weiße Züge der Privatbahn Trans Regio Deutsche Regionalbahn GmbH. Letztere sind leichte Gliederzüge des spanischen Herstellers Talgo bekannt durch Radachsen am Ende der Waggons. Die Gliederzüge tragen seitlich am Führerstand sogar Werbung für das Ahrtal.
Abb. 4
Abb. 5
Resümee
Viele Häuser sind im Ahrtal nach viereinhalb Jahren immer noch zerstört, auch Straßen und Brücken sind noch nicht wiederhergestellt. Aber die Bahn fährt wieder und darauf können die Mitarbeiter der DB und der eingesetzten Firmen stolz sein. Übrigens, eine Bahnfahrt durch das romantische Ahrtal, ist zu empfehlen, auch wenn es überall noch Schäden zu sehen gibt. Davon abgesehen: der berühmte Ahrwein schmeckt immer.
Autor und Abbildungen: Klaus Ridder
Abb. 1 (Aufmacherbild): Hochwasserkatastrophe: Zar kommt es im Ahrtal immer wieder zu Hochwasser. Doch die Katastrophe vom 21.07.2021 war besonders verheerend.
Abb. 2: Wieder auf Kurs: Die Neubaustrecke im romantischen Ahrtal bei Altenahr
Abb. 3: Tue Gutes und rede darüber: Werbung für die Ahrtalbahn.
Abb. 4: Alles auf einen Blick: Streckenskizze der DB mit einer Zusammenfassung der wichtigen Daten
Abb. 5: Größer dimensioniert: Die Tunnel mussten wegen der Elektrifizierung erweitert werden. Links der alte Tunnel.










