Der Mobilitätssektor befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Ziel ist es, Mobilität nachhaltig, ressourcenschonend und zukunfsfähig zu gestalten. Ein zunehmend gefragter Hebel ist dabei das Autoabo. Davon zeigt sich Jürgen Lobach, Chief Fleet Officer Finn, im nachfolgenden Interview überzeugt.
Motorjournalist: Was macht das Autoabo in Zeiten wie diesen besonders interessant? Wie lauten die zentralen Argumente pro Autoabo?
Jürgen Lobach: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist das Autoabo eine besonders attraktive Alternative zum klassischen Autokauf oder Leasing. Es bietet sehr hohe Flexibilität, volle Kostenkontrolle und Planbarkeit. Bei Finn zahlen Kundinnen und Kunden eine fixe monatliche Aborate und wissen daher genau, welche Kosten auf sie zukommen. Außerdem müssen sie sich weder um Versicherung, Steuern, Anmeldung, Wartung, TÜV oder Reifenwechsel kümmern. Das übernimmt alles Finn. Auch um den Wertverlust des Autos müssen sie sich keine Gedanken machen. Bei Finn können unsere Kundinnen und Kunden sorgenfreie Mobilität genießen.
Dennoch sind Autoabos keine Selbstläufer. Das beweist nicht zuletzt die starke Ausdünnung dieser Branche. Welche Faktoren sind unerlässlich, um dieses Geschäft erfolgreich zu managen?
Aus unserer Sicht braucht es drei zentrale Faktoren, um ein Autoabo-Geschäft dauerhaft profitabel zu betreiben: eine skalierbare Plattform mit hohem Automatisierungsgrad, eine Flottenstrategie mit belastbaren Partnerschaften, gesicherten Restwerten und einer starken Finanzierung sowie ein kompromisslos gutes Kundinnen- und Kundenerlebnis – von der Buchung bis zur Haustürlieferung. Finn kombiniert all das mit hoher Umsetzungskompetenz und einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur. Genau diese Kombination ist entscheidend, um Margen und Kundenzufriedenheit langfristig in Einklang zu bringen – und das Abomodell als echte Alternative zum klassischen Fahrzeugbesitz zu etablieren.
Anders als vielfach erwartet sind die Automobilkonzerne als herstellerabhängige Anbieter nicht die Gewinner im Bereich der Autoabos. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?
Als unabhängige Autoabo-Plattform können wir genau das bieten, was Kundinnen und Kunden heute erwarten: eine breite Modellauswahl, schnelle Verfügbarkeit und kurze Lieferzeiten. Gleichzeitig profitieren wir von drei starken Entwicklungen im Markt. Die Nachfrage nach E-Autos wächst stetig. Dank unserer markenübergreifenden Flotte mit derzeit 30 Marken können wir diesen Trend flexibel bedienen und bauen den Anteil elektrischer Fahrzeuge kontinuierlich aus. Parallel dazu verliert klassischer Besitz an Bedeutung, während einfache und transparente Nutzungsmodelle an Attraktivität gewinnen – ein Autoabo passt ideal zu diesem Wandel. Und schließlich verlagert sich der Vertrieb zunehmend ins Digitale. Finn bietet hier ein vollständig digitales und komfortables Erlebnis, bei dem der gesamte Prozess mit wenigen Klicks abgeschlossen ist. Insgesamt sind wir damit in allen relevanten Trends sehr gut positioniert. Die steigende Nachfrage zeigt deutlich, dass sich Autoabos zunehmend durchsetzen.
Spezialisierte Autoabo-Anbieter starten derzeit durch. Was macht das Zukunftspotenzial aus? Worin liegen die wichtigsten Erfolgsfaktoren?
Wir arbeiten täglich daran, unseren Kundinnen und Kunden das beste Produkt zu liefern. So profitieren sie von schneller Verfügbarkeit, digitaler Buchung, transparenten Preisen und einem echten Rundum-sorglos-Modell – Versicherung, Steuern, Anmeldung, Wartung, TÜV und Reifenwechsel sind inklusive. Nur um das Tanken oder Laden muss sich selbst gekümmert werden. So entfällt jeglicher organisatorische Aufwand. Außerdem liefern wir die Fahrzeuge nach wenigen Tagen oder Wochen aus. Das alles macht uns für Kundinnen und Kunden sehr attraktiv. Daher sehen wir eine starke Nachfrage nach Autoabos. Bis zum Jahresende 2026 wollen wir von 40.000 Abos Ende 2025 auf dann 60.000 Abos wachsen.
Abb.: 2
Finn plant weitere Schritte ins europäische Ausland. Wie lautet Ihre Expansionstrategie?
Auch wenn wir die Expansion nach Europa vorbereiten, bleibt Deutschland ganz klar unser Kernmarkt – und hier sind wir längst noch nicht am Ende. Das Marktpotenzial ist riesig und wir stehen trotz starken Wachstums noch am Anfang. Allein im B2B-Bereich sehen wir weiter enormes Entwicklungspotenzial – beispielsweise auch mit unserem B2B2C-Produkt JobAuto: Parallel werden wir unser Modell strukturiert über die Landesgrenzen hinaus ausbauen. Ziel ist es, in den kommenden Jahren in mehreren europäischen Ländern aktiv zu sein. Jedes Land bringt andere Anforderungen mit – von der Fahrzeugbesteuerung bis zum Nutzerverhalten. Unser Ansatz ist es, diese Unterschiede ernst zu nehmen, lokal zu lernen und dann skalierbare Lösungen zu schaffen. Aber: Deutschland bleibt die Basis.
Wie funktioniert JobAuto genau? Ist das die Zukunft angesichts knapper Fachkräfte und wirtschaftlich herausfordernder Zeiten für Unternehmen?
Mit JobAuto kombinieren wir die Vorteile unseres Finn Autoabos mit der Möglichkeit der Gehaltsumwandlung. Arbeitnehmerinnen und -nehmer können ihr Auto auf diese Weise direkt über den Arbeitgeber beziehen und sparen dabei bis zu 40 Prozent für Elektroautos auf die reguläre Abo-Rate, die direkt vom Bruttogehalt abgezogen wird. Dadurch reduziert sich die Steuerlast der Mitarbeitenden. Für den Arbeitgeber entstehen keine zusätzlichen Kosten. Wir sehen, dass immer mehr Unternehmen JobAuto als Mobilitätsbenefit anbieten. Bereits mehr als 300 Unternehmen haben sich angeschlossen, rund 750 Mitarbeitende nutzen JobAuto. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist das ein großer Vorteil – für Unternehmen, die Mobilität anbieten möchten, ohne Dienstwagen anschaffen zu müssen, und für Mitarbeitende, die maximale Flexibilität und Planungssicherheit sowie einen attraktiven Arbeitgeber suchen.
Finn sieht sich als Enabler von nachhaltiger Mobilität. Was verstehen Sie konkret darunter?
Viele Menschen stehen der Elektromobilität noch skeptisch gegenüber und möchten ein E-Auto zunächst ausprobieren. Mit unseren flexiblen Laufzeiten ab sechs Monaten bieten wir genau diese Möglichkeit. Gerade in einem Umfeld mit zahlreichen neuen Technologien und Modellen profitieren sie davon, dass sie bei Finn unterschiedliche Fahrzeuge in ihrem Alltag testen können. Unsere Erfahrungen zeigen: Die Kundinnen und Kunden schätzen die Flexibilität des Autoabos sehr und entscheiden sich während dieser Zeit häufig noch für eine Verlängerung oder wählen direkt ihr nächstes Elektroauto bei Finn. Auf diese Weise erleichtern unsere Autoabos nicht nur den Zugang zu neuen Fahrzeugtechnologien, sondern tragen auch aktiv zur Einführung einer nachhaltiger Mobilität bei.
Die Restwerte von Elektrofahrzeugen stehen allerdings nach wie vor unter Druck und machen sich sicher auch für ein Autoabo-Unternehmen negativ bemerkbar. Welchen strategischen Hebel nutzen Sie, um hier gegenzusteuern?
Jürgen Lobach: Ja, die Restwerte von Elektrofahrzeugen stehen aktuell branchenweit unter Druck – das ist eine reale Herausforderung, auch für Autoabo-Anbieter. Unser Ansatz ist deshalb nicht, dieses Risiko einseitig zu tragen, sondern es gemeinsam mit unseren Partnern zu minimieren. Wir arbeiten dabei eng mit den OEMs zusammen und nutzen unterschiedliche Strukturen, um Restwertrisiken abzufedern – etwa über Buyback-Vereinbarungen, Großleasing-Modelle oder langfristige Partnerschaften mit dem Handel. Diese enge Verzahnung entlang der Wertschöpfungskette ermöglicht es uns, trotz volatiler Marktbedingungen ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Kundinnen und Kunden maximale Flexibilität beim Einstieg in die Elektromobilität zu bieten.
Was können Autoabos insgesamt leisten und wo liegen ihre Grenzen?
Autoabos treffen den Nerv einer Gesellschaft, in der sich das Verhältnis zu Besitz gerade stark verändert. Viele Menschen – gerade Jüngere – möchten sich nicht mehr langfristig binden und empfinden Eigentum eher als Belastung denn als Statussymbol. Flexibilität, Einfachheit und Planbarkeit stehen im Vordergrund. Genau das bietet das Autoabo – egal ob in der Stadt oder auf dem Land, für Berufspendler und -pendlerinnen, Familien oder Menschen in Übergangsphasen. Natürlich hat das Modell auch Grenzen – etwa bei sehr hohen Fahrleistungen oder individuellen Umbauwünschen. Aber insgesamt sehen wir: Das Abo passt sich dem Leben an und nicht umgekehrt. Und deshalb hat es Zukunft.
Autorin: Isabella Finsterwalder, Abbildungen: Finn GmbH
Abb. 1 (Aufmacherbild): Jürgen Lobach, Chief Fleet Officer Finn
Abb. 2: Breite Auswahl: Die unabhängige Autoabo-Plattform Finn hat aktuell 30 Fahrzeugmarken im Portfolio.










