Der Transport- und Nutzfahrzeugjournalist und Träger der Johny-Rozendaal-Uhr des VdM, Jan Bergrath, ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Der VdM und auch ich, ganz persönlich, trauere um einen aufrichtigen, ehrlichen Menschen und Kollegen, dem ich fast 30 Jahre beruflich verbunden war.
Mit ihm haben mich viele Aufs und Abs begleitet. Und oft war es auch nicht einfach mit ihm. Kein Journalist oder Redakteur hat mir während meiner beruflichen Zeit, sei es als Chefredakteur diverser Magazine oder als damaliger Geschäftsführer des ETM-Verlages, so viele juristische Auseinandersetzungen beschert. Kein Journalist hat unsere Rechtsabteilung so häufig beschäftigt wie Jan Bergrath.
Dabei hat alles ganz harmlos angefangen. 1958 geboren wuchs Jan Bergrath, wie er selber schrieb, am Autobahnkreuz Köln-West auf, also mitten im mobilen Leben. Um sein Studium zu finanzieren begann er, wie viele andere Studenten auch, 1981 Lkw zu fahren. Zunächst im Nahverkehr, bald aber auch im Fernverkehr. Touren nach Irland gehörten damals zu seinen Lieblingsstrecken. Und so blieb es auch nicht aus, dass er seine Erfahrungen diversen Magazinen anbot, von denen dann „Truck Live“ als erste zuschlug. Im Herbst 1988 erschien sein erstes journalistisches Werk, eine dreiteilige Reportage über Irland. Sein Honorar: 500 Mark, immens viel Geld für ihn damals. Schon da beschrieb er präzise, wie Lkw richtig beladen werden – als wohlgemeinten Wink für alle, die das täglich machen müssen. Oder er wies auf die Kontrollpraxis der Behörden hin, immer mit einem kleinen Wink in Richtung Fahrer und Politik.
Lenkzeiten, Sozialvorschriften und Sicherheit begleiteten ihn sein ganzes Berufsleben lang. 1989 begann er beim Magazin „Fernfahrer“ seine Tätigkeit, dem er im Prinzip bis zuletzt die Treue hielt. Der erste Auftrag war eine Gerichtsreportage über den Herborn-Unfall von 1987. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch: Ein Tanklaster war damals ungebremst in das hessische Städtchen Herborn gerast und hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Lange wurde darum gerungen, ob der Fahrer ein Fahrfehler begangen oder ob das damals neue Getriebe des Lkw versagt hatte.
Sicherheitsthemen lagen ihm schon immer besonders am Herzen. Die verheerenden Lkw-Auffahrunfälle auf Autobahnen sowie die Abbiegeunfälle mit Radfahrern in Städten beschäftigten ihn fortwährend. Den Notbremsassistenten im Lkw verstehen und den Fahrern dessen Funktionen zu vermitteln war eine große Mission, die er sich vorgenommen hatte. Zahlreiche Lehrvideos zeugen davon. Dass er dabei mit der Fahrzeugindustrie öfters ins Gericht ging kann man sich gut vorstellen. Nicht zuletzt auf seine Initiative hat diese ihre Systeme deutlich verbessert.
Tatsächlich mehr oder weniger ins Gericht ging Bergrath mit Unternehmen und Verbänden, die deutlich Sozialdumping betreiben und die Lage der meist osteuropäischen Fahrer ausnützen. Hier legte er gerne die Finger in die Wunde. Das Fett bekamen dabei aber nicht nur die osteuropäischen Unternehmen ab, sondern auch deutsche und westeuropäische, die die Zwangslagen der Fahrer ausnutzen. Wer offensichtlich zulässt, dass Fahrer die wöchentlichen Ruhezeiten oder täglichen Lenkzeiten nicht einhalten können, bekam Bergraths journalistische Keule zu spüren. Dass es dabei auch immer wieder zu juristischen Auseinandersetzungen kam, dürfte klar sein. Und eben das durfte auch ich in meiner Zeit mit ihm spüren. Wie gesagt, kein Journalist hat mir so viele Anträge auf Widerruf oder Gegendarstellung beschert. Die Rechtsabteilung des ETM-Mutterunternehmens Motor Presse Stuttgart war oft schon genervt. Aber, auch das sei gesagt, keiner der Anträge kam, soweit ich mich erinnern kann, durch!
Besonders erwähnenswert ist aber auch, und das war mit ein Grund für die Auszeichnung im Jahr 2021mit der Johny-Rozendaal-Uhr, dass Jan Bergrath nicht nur die eigentliche Klaviatur des Journalismus beherrscht, sondern sich auch den neuen, digitalen Medien zugewandt hatte. Er war auf Facebook aktiv, betrieb mit Jans Blog einen sehr aktuellen Branchen-Blog, machte unter dem Titel „Fernfahrer live“ regelmäßig Videotalks mit Fachleuten aus der Branche, produzierte Podcasts zu sozialökonomischen und medizinischen Themen und unterstützte TV-Teams bei ihrer Arbeit. Mit Artikeln im Spiegel und Stern zu Transportthemen kam er 2016 und 2020 in die Nominierungsliste des Deutschen Journalistenpreises. Die Bundesvereinigung Logistik ehrte ihn 2008 ebenfalls mit einem Medienpreis. Zudem war Bergrath ein gern gesehener Moderator bei Podiumsdiskussionen auf Messen, Verbandstagungen und Großevents, wie zum Beispiel dem Truck Grand Prix auf dem Nürburgring. Seine kompetente, auch streitbare, aber stets objektive Art machte jede Diskussion spannend und erhellend.
Neben all den Aktivitäten hatte Bergrath auch noch Zeit zum Bücherschreiben. Zahlreiche Romane hat er verfasst, mit Themen zur Transportwirtschaft, der Medizin und der Theaterwelt. Letzterer hat er übrigens von 1986 bis 2007 sehr viel Herzblut gespendet, als Manager einer englischen Theatergruppe oder letztlich als Leiter des „Eifelturms“, einer sehr erfolgreichen Kabarett- und Kleinkunstbühne in Köln.
Dass Jan Bergrath sogar in der Fernsehserie „Auf Achse“ mit Manfred Krug mitspielen durfte, ist bei all den Aktivitäten eigentlich eine Randbemerkung. Vom damaligen Fernfahrer-Chefredakteur zur Drehreportage geschickt schlüpfe Bergrath schnell in die Rolle eines Fernfahrers. Die Folge „In der Höhle der Löwen“ zeigen seinen Einsatz, zu sehen auf Youtube.
Jan Bergrath hat immer für eine bessere Welt in der Transportwirtschaft gekämpft – oftmals mit viel Erfolg. Dafür gebührt ihm Anerkennung. Seinen eigenen Kampf gegen seine heimtückische Krankheit hat er letztlich verloren. Das macht die gesamte Branche sehr traurig.
Werner Bicker










