//Hans Herrmann gestorben: „Hans im Glück“ hat viele Unfälle überlebt

Hans Herrmann gestorben: „Hans im Glück“ hat viele Unfälle überlebt

Man nennt ihn auch „Hans im Glück“, denn in der Zeit, als der „rasende Konditor“, wie man ihn auch nannte, Rennen fuhr, verunglückten jedes Jahr bis zu vier Formel-1-Rennfahrer tödlich. Hans Herrmann überlebte. Jetzt starb er am 9.Januar 2026 im Alter von 97 Jahren.

Erstmals erlebte ich Hans Hermann 1956 bei einem Sportwagenrennen auf dem Nürburgring und danach gab es viele Begegnungen mit ihm sowohl als Fan mit Hans Hermann auf der Rennstrecke als auch im eher privaten Bereich. Ich erinnere mich: 1954 kam Mercedes zurück in die Formel 1 und es gab gleich einen Doppelsieg in der französischen Champagner-Metropole Reims. Der legendäre Argentinier J. M. Fangio (5 x Weltmeister) gewann vor dem Deutschen Karl Kling und Hans Herrmann, gerade mal 26 Jahre alt, fuhr die schnellste Runde. Deutschland, noch gebeutelt vom 2. Weltkrieg, jubelte, zumal am selben Tag die Mannschaft mit Fritz Walter auch noch Fußball-Weltmeister wurde. Ich war damals 13 Jahre alt und wollte unbedingt Rennfahrer werden (was später mein Vater nicht zuließ – man wurde erst mit 21 volljährig). 1956 sah ich Hans Herrmann erstmals persönlich auf dem Nürburgring. Er fuhr in der damals auch von F1-Fahrern besetzten 1,5-Liter-Sportwagenklasse einen Porsche Spyder und gewann. Ich bekam ein Autogramm und bin heute noch stolz darauf.

Persönliche Begegnungen und Erinnerungen

Als Rennfan erlebte ich weitere Rennen mit Hans Herrmann. Im Einzelnen waren dies:

  •  1957 GP von Deutschland (Maserati F1)
  •  1958 GP von Deutschland (Maserati F1 und Borgward 1,5)
  •  1958 Großer Bergpreis von Deutschland (Borgward 1,5)
  •  1958 1.000 km Rennen Nürburgring (Porsche)
  •  1960 GP der Solitude (Porsche F2)
  •  1961 GP der Niederlande (Porsche F1)
  •  1962 1.000 km Rennen Nürburgring (Porsche 718 WRS
  •  1968 1.000 km-Rennen Nürburgring (Porsche 907)
  •  1969 1.000 km Rennen Nürburgring (Porsche 908/2)
  •  1970 1.000 km Rennen Nürburgring (Porsche 908/3)

Natürlich war ich auch auf zahlreichen Oldtimer-Veranstaltungen dabei, bei denen Hans Herrmann mit historischen Fahrzeugen am Start war. Hans Herrmann war (fast) immer vorne mit dabei – bis zu seinem Sieg 1970 beim 24h-Rennen von Le Mans. Danach zog er sich vom Rennsport zurück und fuhr bei historischen Rennsportveranstaltungen Rennfahrzeuge aus seiner früheren Zeit (überwiegend Mercedes F1 oder Porsche F1). Bei den zahlreichen Starts bei den 1.000 km Rennen erreichte Hans Herrmann immer wieder Podestplätze – aber einen Sieg gab es nicht.

Der Mensch Hans Herrmann

Vor sieben Jahren, Hans Hermann war 90 Jahre alt, begegneten wir uns auf der Essener Techno Classica: „Natürlich bin ich mit dem eigenen Auto gekommen“, so der Altstar. Auf dem Stand des Stuttgarter Galeristen Conny Constantin – hier wurde gerade das neueste Portrait von Hans Herrmann ausgestellt, gemalt von russischen Künstler Viro aus St. Petersburg – wurden Nachdrucke des Bildes signiert. Der russische Künstler, Hans Herrmann sowie der Käufer des Bildes waren zufrieden und Hans Herrmann freute sich, im Mittelpunkt zu stehen.

Abb. 2

Begeistert berichtete er beispielsweise von einem Zusammentreffen mit Sebastian Vettel. „Das ist ein super Typ“, so Hans Herrmann über den 60 Jahre jüngeren Ausnahmefahrer. Dazwischen liegen ja Welten, wenn man bedenkt, dass man 1954 noch mit einem Polo-Hemd und einem offenen Sturzhelm fuhr. Heute erinnert allein die Sicherheitskleidung mehr an die eines Astronauten. Dafür überleben Rennfahrer spektakuläre Stürze, während diese früher nahezu immer tödlich endeten.

Auch erinnere ich mich noch gut daran, als im ehrwürdigen Stuttgarter WAC Autoclub meine Frau neben Hans Herrmann sitzt, während ich einen Vortrag über mein Idol Wolfgang Graf Berghe v. Trips halte. Hans Herrmann isst „Kutteln“. „Die bekomme ich zu Hause nicht“, so Hans Herrmann zu meiner Frau. Allein schon an der Auswahl des Essens merkte man die „Bodenständigkeit“ des Altstars mit Wurzeln im Schwabenland. Übrigens mit über 80 Jahren war er noch Unternehmer und betrieb mit seiner Frau Marlene ein Autozubehörgeschäft. Seine beiden Söhne sind anderweitig erfolgreich. Außerdem: Ich habe von Hans Herrmann im Laufe von 70 Jahren mehrere Autogramme bekommen. Sie sind heute noch lesbar und ein Vergleich mit früher zeigt, dass sie sich kaum verändert haben – daran sollten sich die Stars von heute mal ein Beispiel nehmen. Was man heute als Autogramm bekommt ist „Gekrickel“.

Abb. 3

Benzingespräche

Der Abend mit Hans Herrmann und anderen Gästen beim Stuttgarter WAC Autoclub war unterhaltsam und der Trollinger Wein schmeckte auch. Mit von der Partie war auch Herbert Völker, ein bekannter Motorsporthistoriker und Autor eines Buches über Hans Herrmann. Bernhard Völker hatte ich 1956 erstmals am Nürburgring kennengelernt und später sahen wir uns bei verschiedenen Motorsportveranstaltungen immer mal wieder. Immer dann, wenn wir bei den „Benzingesprächen“ zu bestimmten Rennen kamen und Hans Herrmann auch nicht mehr wusste, ob er das Rennen gewonnen hatte, dann kam die Aussage: „Da müssen Sie Herrn Völker fragen.“ Ja, es war wirklich so, dass der Historiker Völker die Rennsportzeit von Hans Herrmann besser kannte als er selbst.

Resümee

Jetzt ist einer der erfolgreichsten deutschen Rennfahrer mit 97 Jahren von uns gegangen. Er hat Rennfahrzeuge nahezu aller Marken (Porsche, Mercedes, Borgward, Ferrari, Abarth, Maserati, BRM u.a.) in der Formel 1, bei Sportwagen-Rundstrecken und Bergrennen gefahren. Er hat – was damals selten war – überlebt. „Hans im Glück“ – ein außergewöhnlicher Mensch an den sich Menschen aus der Motorsportszene gerne erinnern werden.

Autor: Klaus Ridder; Abbildungen: Klaus Ridder und Geschi Ridder)

Abbildungen

Abb. 1 (Aufmacherfoto): Eifelrennen: Beim Eifelrennen 2010 fuhr Hans Herrmann den Mercedes-Benz W196, mit dem er bereits 1954/55 am Start war (Foto: Klaus Ridder).

Abb. 2: Techno Classica Essen 2023: Auf der Techno Classica stellte Galerist Conny Constantin ein Portrait von Hans Herrmann vor. Künstler Viro und Hans Herrmann (Foto: Klaus Ridder).

Abb. 3: Gesammelte Werke: Hans Herrmann hat viele seiner Trophäen dem Stuttgarter Meilenwerk zur Verfügung gestellt (Foto: Klaus Ridder).