Die Automobilkrise hält bereits seit 2020 an. Wie der kraftfahrt-berichter in seiner jüngsten Ausgabe schreibt, rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA) auch für 2026 lediglich mit einem leichten Wachstum auf 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Der Markt für E-Autos dagegen entwickle sich gut. Nachfolgend die Details der VDA Prognose.
In seiner Prognose für die Produktion und den Absatz von Personenwagen im kommenden Jahr ist der Verband der Automobilindustrie (VDA) nicht besonders optimistisch. So geht der Verband lediglich von einem „schlanken“ Wachstum um zwei Prozent auf 2,9 Millionen neuzugelassener Fahrzeuge aus. „Der deutsche Pkw-Markt wird sich im Jahr 2026 nicht wesentlich erholen“, lautet das Fazit des VDA. Sollte diese Prognose eintreffen, ergäbe sich damit im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019, dem letzten vor Beginn der Covidpandemie mit 3,6 Millionen neuer Pkw, ein beachtliches Minus von 20 Prozent. Bereits für den Abschluss des noch laufenden Jahres 2025 halten sich die Erwartungen in Grenzen. Nach der vorliegenden Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes für den Zeitraum von Januar bis November muss davon ausgegangen werden, dass die Pkw-Neuzulassungen im Gesamtjahr 2025 gegenüber 2024 um höchstens ein Prozent auf rund 2,7 Millionen Einheiten wachsen werden.
Plus 30 Prozent für Stromer im kommenden Jahr prognostiziert
Allerdings sieht es bei den Elektroautos, dem langfristig wohl wichtigsten Segment, für 2026 erheblich besser aus. Hier nimmt der VDA ein Wachstum von 30 Prozent auf 693.000 neue Stromer an. Die Vorhersage des VDA steht gleichwohl unter dem Vorbehalt, dass die von der Bundesregierung angekündigten Fördermaßnahmen zur Ankurbelung der Stromer-Nachfrage „zügig“ umgesetzt werden.
Plug-in-Hybride fallen zurück
Die E-Auto-Hausse im nächsten Jahr wird dem VDA zufolge zu einem Rückgang bei den Plug-in-Hybriden führen. Für sie entschieden sich in den vergangenen Monaten zwar noch verstärkt Käufer. Doch für 2026 wird ein Rückgang um fünf Prozent auf 286.000 Einheiten erwartet. Alle neuen Pkw mit entweder reinem Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb sollen 2026 ein Gesamtmarktvolumen von nahezu einer Million Einheiten erreichen. Das hieße, dass sich bei jedem dritten Neuwagen die Käufer für eine dieser beiden alternativen Antriebsarten entscheiden würden.
Volkswagen als Marktführer 2026
Der Marktführer im deutschen Autogeschäft wird 2025 aller Voraussicht nach erneut Volkswagen heißen. Die Wolfsburger werden das Jahr leicht besser als der Durchschnitt der Konkurrenz abschließen. Mit Škoda kommt auch die stärkste Importmarke aus dem VW-Konzern. Die Tschechen können sich gegenüber 2024 noch einmal merklich verbessern und sogar an der Schwestermarke Audi vorbeiziehen. Der Ingolstädter Premiumhersteller verliert deutlich Marktanteile, ähnliches gilt, allerdings abgemildert, für den direkten Wettbewerber Mercedes. BMW legt in der Käufergunst kräftig zu.
Die größten Gewinner sind chinesische Automarken
Aufmerksamkeit verdienen die chinesischen Automarken BYD, Leapmotor und Xpeng. Sie werden 2025 als die am Stärksten wachsenden Hersteller auf dem deutschen Automarkt abschließen – wenn auch ausgehend von niedrigen Marktanteilen von unter einem Prozent. Bei US-Autobauer Tesla wird die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland 2025 gegenüber dem Vorjahr halbiert.
Deutschland bleibt zweitgrößter Produktionsstandort für E-Autos
VDA Präsidentin Hildegard Müller geht davon aus, dass die Automobilhersteller in Deutschland ihre ohnehin starke Position in der weltweiten Produktion von E-Autos weiter ausbauen werden. Sie erwartet, dass 2026 hierzulande elf Prozent mehr reine Stromer vom Band rollen werden als 2025. „Deutschland festigt damit seinen Platz als weltweit zweitgrößter Produktionsstandort für E-Autos“, sagte Müller. Insgesamt prognostiziert der VDA für das kommende Jahr allerdings einen Rückgang der inländischen Pkw-Produktion von einem Prozent auf 4,1 Millionen Einheiten. Schätzungsweise werden mehr als drei von vier dieser Pkw ins Ausland exportiert. Gleichzeitig soll die Produktion hiesiger Autobauer im Ausland um ein Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge zurückgehen.
Bemerkenswerte Unterschiede bei internationalen Automärkten
Bemerkenswerte Unterschiede zeigen sich in den Annahmen des VDA für die Entwicklung der internationalen Automärkte im neuen Jahr. Für Europa, die EU-Staaten sowie Großbritannien, Norwegen und die Schweiz, sagt der VDA ein Wachstum von einem Prozent auf 13,4 Millionen neuer Automobile auf den Straßen voraus. Im Jahr 2019 lag dieser Wert bei 15,8 Millionen Einheiten. Eine deutliche Schrumpfung des Marktes für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge wird 2026 für die USA angenommen. Ein angenommener Rückgang von vier Prozent auf 16 Millionen Einheiten wird vom VDA als Folge von Donald Trumps aggressiver Zollpolitik angesehen. In China stehen die Zeichen auf leichtem Wachstum. Der VDA rechnet mit einem Plus von einem Prozent oder absolut 24,5 Millionen neuzugelassenen Fahrzeugen, womit der größte Automarkt der Welt 2026 ein neues Rekordniveau erreicht.
Nutzfahrzeuge: Lage bleibt schwierig
Die Lage für Nutzfahrzeuge – ein sicherer Konjunkturindikator – bleibt schwierig. Für das laufenden Jahr geht der VDA von einem Rückgang bei den schweren Lastwagen um 15 Prozent aus. Das prognostizierte Wachstum von sechs Prozent für 2026 machte diesen Einbruch nicht wett. Gleiche Tendenzen erwartet der VDA für Transporter und leichte Lkw. Bei den Bussen wird eine gegenteilige Entwicklung (Minus in diesem, Plus im kommenden Jahr) vorausgesagt.
Es bleibt schwierig
Alles in allem bleibt die Lage für die internationale Automobilwirtschaft schwierig. Die seit Jahren anhaltende und den Konsum einschränkende Konjunkturflaute wird durch den Protektionismus der US-Regierung und die vielzähligen internationalen Konflikte verschärft. Die Konsumenten halten ihr Geld zusammen und schieben den Autokauf auf. Für die vielfältige Krise speziell des Straßenverkehrs müssen reale Lösungen beherzt angegangen werden. Dabei dürfen die Mobilitätsinteressen der gesamten Bevölkerung nicht gegen den Schutz von Klima und Umwelt ausgespielt werden. Eine Transformation gelingt nur ganzheitlich und indem sie Verbesserungen für alle ergibt.
Autoren: Olaf Walther/Kristian Glaser (kb), Abbildung: Pixabay / Peggy_Marco










